Paranoia - Wenn man einfach zuviel weiss
Das Veröffentlichen der Daten von Sexualstraftätern ist in den USA mittlerweile Gang und Gäbe und verirrte Politiker wie der Herr Beckstein möchte diese Maßnahmen auch in Deutschland verwirklicht wissen. Natürlich kann man immer noch eine Schippe drauflegen, wie z.B. mit familywatchdog.us, einer Suchmaschine für die eigene Umgebung. Martin McKeay hat diese Suche einmal für seine Umgebung gemacht und plagt sich nun mit der Frage, was man mit diesem Wissen anfangen soll.
Eine ziemlich elementare Frage wie ich finde, denn was soll man tun, wenn der Nachbar zwei Häuser ein Kinderschänder war oder der Onkel von gegenüber Frauen vergewaltigt hat? Soll man in Zukunft die Strassenseite wechseln oder gleich das Pfefferspray zücken, wenn er nur guten Tag sagt? Die Polizei rufen, wenn er klingelt und etwas Zucker für den Kaffee braucht? Ich bin leider Pessimist in der Frage, ob unsere Gesellschaft eine Antwort darauf finden wird wie man vernünftig mit diesen Daten _und_ den Personen umgeht. Es wird in Paranioa ausarten und das wird die Sache nicht besser werden lassen.
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Ich beziehe mich mal auf die Sexualstraftäter. Wenn ich Kinder und Frau hätte, wüßte ich sehr gern, ob sich in meinem Umfeld solch ein (überführter) Täter befindet. Es hat sich leider allzuoft gezeigt, das solche Personen sehr häufig rückfällig werden. Willst du riskieren, dass deine Familie in seine Fänge gerät? Da muß ich dir ganz ehrlich sagen, solche Menschen haben ihr Recht auf Anonymität verwirkt. Beckstein (wie Schily) redet zwar eigentlich nur dummes Zeug und äfft den Amis alles nach, doch in diesem Fall, würde ich ihm zustimmen.
Das ‘Wissen’ ist doch der springende Punkt. Was willst Du damit anstellen? Du kannst nicht immer auf Frau und Kinder aufpassen und selbst wenn gibt es noch tausend andere Gefahren von denen Du nichts weisst. Selbst Du stellst dann eine Gefahr dar, weil es passieren könnte, das Du unter der Last des ganzen Wissens zusammenklappst und böse Dinge tust.
Schwieriges Thema. Soviel steht fest. So manches Mal frage ich mich doch, wie es die Eltern schaffen, ihre Kinder aus dem Haus zu lassen, in der Hoffnung, sie kehren munter wieder zurück. Das Damoklesschwert schwebt doch permanent über unseren Köpfen. Traurige Welt.
Es fängt damit an, das die Leute wie die Blöden durch die 30er Zone fahren - vorzugsweise Mütter die ihre Kinder zur Schule/Kindergarten um die Ecken fahren :/
Wenn es um die bedingungslose Ächtung von Sexualstraftätern geht, muß ich an die Beteiligten eines Pädophilen-Rings denken, die vor einigen Jahren in Frankreich im Gefängnis gelandet waren und kürzlich als unschuldig freigekommen sind, nachdem das Verfahren wieder aufgerollt wurde. Jedenfalls soweit sie noch konnten und sich nicht schon im Knast umgebracht hatten.
http://www.taz.de/pt/2006/02/10/a0185.1/text
Deswegen schrieb ich oben “überführt” in Klammern. Da sehe ich das wirkliche Problem. Bei solchen Taten gewinnt oftmals der Wunsch, diesen “Täter” für immer einzusperren, ohne die Beweislage genau zu prüfen. Im Amiland sind für schlampige Arbeiten schon Menschen in die Todeszelle gewandert, bei denen erst nach dem Vollzug festgestellt wurde, dass er unschuldig war. Doch in vielen Fällen ist die Beweislage eindeutig, weil sie auf “frischer Tat” ertpappt wurden. Die Medaille hat immer zwei Seiten.
Daß Täter in “vielen” Fällen auf frischer Tat ertappt werden, halte ich aber mal für eine gewagte Annahme. Und dabei ist noch die Frage, wie so eine “frische Tat” überhaupt aussieht. Nee, nee. Da kann ich mir abends um zehn einfach zu viele plausible Situationen aus den Fingern saugen, in denen das zum Fehlurteil führen wird. Von der gefundenen Tatwaffe bis zum Opfer, das in seiner Panik jeden als Täter identifiziert, der auch nur halbwegs passen könnte.