Advent, Advent die Firma brennt
Mitte letzten Jahres machte es laut Bumm in der Firma. Innerhalb von ein paar Wochen gingen fünf Leute. Dabei waren auch Michael und Christian. Es gab Kollegen die durchaus kritisch zu den beiden standen, aber letztlich haben sie die Firma getragen. Dazu muss man wissen, das die Firma vier Gesellschaftern gehörte, die alle in der Firma arbeiteten und zwei von ihnen die Geschäftsführer waren. Der eine, nennen wir ihn R, schimpfte sich ‘Technischer Geschäftsführer’ und der andere, nennen wir ihn I, war für die Buchhaltung zuständig. Was sie allerdings genau taten wusste niemand so richtig, denn sie waren oft nicht anwesend - das Wort von der Halbtagsstelle machte die Runde. Jedenfalls gingen Christian, Michael, Thorsten, Kristof und Joachim zur Konkurrenz, die später pikanterweise in der gleichen Straße, nur eine Hausnummer weiter, residieren.
Für mich jedenfalls stellte dieses Ereignis einen Weckruf dar denn mir war klar, das es von nun an nur bergab gehen konnte und so hörte ich mich bei Freunden und Ex-Kollegen nach einen neuen Job um. Glücklicherweise dauerte es auch nicht lange und ich hatte am 1.8. ein erstes Vorstellungsgespräch. Das Gespräch verlief sehr positiv für mich, ich wollte aber mit einen Anwalt über ein paar Dinge in meinen Arbeitsvertag reden. Hauptsächlich ging es um die Rückzahlung von Schulungskosten, aber auch der Firmenwagen sollte eine Rolle spielen. Wir suchten also einen Anwalt für Arbeitsrecht und als ich am frühen Nachmittag mit ihm per Telefon sprach, machte er mich darauf aufmerksam, das er meine Arbeitsgeber schon in anderen Fällen vertreten würde - auf meine Frage, ob dieser Anruf unter uns bleiben würde antwortete er mit JA. Abends waren dann meine Firmen-Accounts gesperrt. Ich rief R an und fragte was los sei und er sagte ich wüsste schon warum. Wir unterhielten uns kurz, auch am nächsten Tag nochmal und die Sache war aus der Welt.
Man sollte meinen der Verlust von zwei Vertrieblern die die Firma getragen haben sollte die GF in hektische Betriebsamkeit stürzen, aber: Weit gefehlt! Lange passierte nichts, dann wurden eine Vertriebs- und eine Technikerstelle ausgeschrieben. Irgendwann haben sie dann nur einen Vertriebler eingestellt. Die Zeit ging ins Land. Es gab ein paar interne Besprechungen, sozusagen Motivations-Druckbetankungen, aber letztlich schlief es - wie so vieles zuvor - wieder ein und die Sprachlosigkeit seitens der GF nahm wieder ihren Lauf. Mehrfach wurde ich von der neuen Konkurrenz gefragt, ob ich nicht zu ihnen wechseln wollte, ich winkte aber immer ab, da ich mich eigentlich schon entschieden hatte. Irgendwann erhielt ich dann einen Anruf, das die Firma nun für 12 Monate beim Hermes Kreditversicherer gesperrt wäre. Die Folgen waren dramatisch: Da die Distributoren nun nur noch gegen Vorkasse oder gar nicht lieferten ging für einen Zeitraum von ca. 4 Wochen gar nichts. Von der GF war dazu nichts zu hören. Wenn sie mal da waren saßen sie in ihrem Büro und taten irgendwas. Anfang November kam was kommen musste. Es gab eine kurze, dürre Email, dass man die Gehälter nicht zahlen kann, dies aber so schnell wie möglich nachholen wolle - ansonsten Schweigen im Walde. In der Firma ging ansonsten nicht viel. Die neue Konkurrenz machte unserem Restvertrieb die Hölle heiss und unterbot fast überall. Olli war der erste der freiwillig ging, während ich auf einen Bescheid wartete, aber es verzögerte sich leider immer wieder. Die Sorgen wuchsen genauso wie das Minus auf unserem Konto und so plünderten wir unser bißchen Erspartes. Anfang Dezember platzte dann die Bombe.
Wir warteten alle auf Gehalt, aber die ersten Tage passierte nichts, es war wie immer Schweigen im Walde. Ich hatte mein zweites Vorstellungsgespräch und für mich war klar, dass das Leiden bald ein Ende hat - es war nur eine Frage der Zeit. Dann, an einem Freitag, kam ein Kollege zu mir und fragte mich, ob ich die Email erhalten hätte. Welche Email?! Er legte mir den Ausdruck einer Email der GF vom Vortag auf den Tisch. Darin kündigte die GF eine Gehaltszahlung für die Empfänger der Email an. Da ich diese Email nicht erhalten hatte und auch nicht in der Empfängerliste auftauchte wusste ich, dass mir übel mitgespielt werden sollte. Mir war schlecht, flau im Magen und ich hatte Watte im Kopf. Ich versuchte, mir trotzdem nichts anmerken zu lassen, ging normal meiner Arbeit nach und sogar noch mit Kollegen (die diese Email bekommen hatten und nichts weiter dazu sagten) Mittagessen. Über Messenger alarmierte ich Meike und sie besorgte mir für den Nachmittag einen Termin bei einem Anwalt für Arbeitsrecht, einer der diesmal nicht zum Telefon griff und meine Chefs anrief. Er sagte mir u.a. dass die einfachste Möglichkeit einen Mitarbeiter loszuwerden, das nicht zahlen des Gehalts wäre. Natürlich hat man ein Anrecht darauf, aber bis man dieses durchgesetzt hat gehen Monate ins Land, etwas was sich niemand leisten kann und damit notgedrungen kündigen muss. Ich hatte keine Ahnung wie Recht er behalten sollte.
Wir hatten ein längeres Gespräch und spielten einen Haufen Möglichkeiten durch u.a. den Firmenwagen erst einmal zu behalten. Am Montag meldete ich mich krank, ging zum Arzt und wurde wegen der starken psychischen Belastung krankgeschrieben. Der Druck zwei Gehälter nicht bekommen zu haben, gleichzeitig Frau, zwei Kinder zu ernähren und das Haus bezahlen zu können war doch enorm. Anschließend ist Meike zur Firma gefahren, um eine Mahnung meinerseits zu übergeben, in der ich mitteilte vom Zurückbehaltungsrecht meiner Arbeitskraft gebrauch zu machen und Klage vor dem Arbeitsgericht auf Zahlung des ausstehenden Gehalts zu erheben. Sie traf I und R im Büro an. R machte sich nicht einmal die Mühe, die Füsse vom Tisch zu nehmen. Nachmittags gings dann zu einen anderen Anwalt in Oldenburg, den mir Michael empfohlen hatte, denn bei ihm und ein paar anderen Ex-Kollegen standen auch noch mehrere Gehälter aus. Auch hier spielten wir alle denkbaren Möglichkeiten durch und wussten nun was zu tun war. Die Frist verstrich und es passierte wie bereits erwartet NICHTS. Ich blieb auch nach auslaufen der Krankmeldung wie in meinem Schreiben angekündigt zuhause und ging zum Arbeitsgericht, denn dort kann man ohne Anwalt in der Rechtsantragsstelle seine Klage erheben (Danke Herr Riepshoff für den Tipp). Zwischenzeitlich kam Bewegung in meine neue Stelle. Ich erhielt den Arbeitsvertrag zur Unterschrift - etwas Licht am Ende des Tunnels war zu sehen.
Es folgten weitere Fristen die seitens der Firma kommentarlos verstrichen. Ich ging zum Arbeitstamt um (wie in solchen Fällen möglich) Arbeitslosengeld zu beantragen. Leider braucht man dazu eine Verdienstbescheinigung vom Arbeitgeber, die ich auch umgehend hinschickte und wieder (man ahnt es) passierte nichts. Die Dame vom Arbeitsamt sagte, sie könne erst einmal nichts tun, wenn ich dringend Geld bräuchte könne ich ja zur Bagis (der Bremer Hartz-IV Stelle) gehen. Ausserdem sollte ich erst meinen Arbeitgeber anmahnen, nach Ablauf von 4 Wochen könne man mir dann Amtshilfe leisten. Also wieder kein Geld. Unser Konto sah unterirdisch aus, wir standen davor das Haus nicht mehr bezahlen zu können. Meike fragte ihre Grosseltern und natürlich halfen sie uns, so dass wir erst einmal die größten Sorgen los waren.
Zwischenzeitlich stellte sich mir die Frage was zu tun war. Ein paar Kunden - zu denen ich in engem Kontakt stand - fragten nach, ob ich nicht dieses oder jenes für sie erledigen könnte, da ich aber in einen schwebenden Arbeitsverhältniss steckte waren mir die Hände gebunden. Ich hätte fristlos kündigen können und dann in Selbstständigkeit die Sachen abwickeln können, aber der Plan wurde nicht umgesetzt, weil am letzten Tag der Frist das Gehalt für Oktober eintrudelte. Es war Mitte Dezember - der Geburtstag unseres Sohnes. Natürlich blieb ich weiterhin zu Hause (es fehlte ja weiterhin das Geld für November), schickte meine fristgerechte Kündigung zum 15.1.2006 raus und wartete. Natürlich passierte nichts. Das Dezembergehalt kam nicht, es wurde gemahnt und dann zusammen mit dem ebenfalls fehlenden halben Januargehalt wieder Klage erhoben und die Gehaltsbescheinigung für Arbeitsamt trudelte auch nicht ein.
Eine Frage die uns lange beschäftigte war, was wir mit dem Firmenwagen machen. Ich war lange der Ansicht ihn als Druckmittel zu behalten, aber letztlich habe ich ihn dann doch am letzten Tag abends zur Firma gefahren. Die Gründe: Der Wagen gehörte nicht der Firma, sondern einer GbR der Geschäftsführung. Ich hätte mir zwar einen Kleinkrieg mit ihnen liefern können, aber letztlich hätte ich mit leeren Hände dagestanden. Viel schwerer aber wog für mich, dass die Gefahr des Untergangs (also das dem Wagen etwas passiert) auf mich übergegangen wäre und das war mit bei einen geschätzten Wert von 14K-Euro dann doch zuviel.
Es war also Januar. Es standen die Gehälter für November, Dezember und den halben Januar aus. Konto tief rot und ich war mit den Nerven ziemlich zu Fuss. Der erste Termin für das Arbeitsgericht wurde für den 17. Januar festgelegt, meinem zweiten Arbeitstag bei der neuen Firma. Natürlich konnte/wollte ich mir nicht freinehmen und so vertrat mich Meike vor Gericht, die meinen Schwiegervater als seelische Stütze mit in den Gerichtssaal nahm. Von der Gegenseite erschien kein Anwalt, sondern R persönlich und erklärte, das das Novembergehalt am gleichen Tag noch überwiesen werden solle, da es sich nur um einen Fehler der Buchhaltung handelt. Die Richterin konnte nicht wissen, das ‘die Buchhaltung’ Geschäftsführer I darstellte, der zudem noch im gleichen Büro wie R saß. Es kam also zu einen Vergleich und es gab leichte Hoffnung, dass nun Geld kommt. Aber wieder passierte nichts und nach einer Woche liessen wir uns aus dem Vergleich einen vollstreckbaren Titel machen und gaben ihn beim Gerichtsvollzieher ab. Wenn man nun glaubt, es würde zack zack gehen, leider Fehlanzeige. Die Gerichtsvollzieherin sagte, wir können uns in vier Wochen mal wieder melden. Wieder passierte nichts.
Irgendwann passierte tatsächlich etwas. Auf eine Mahnung meinerseits trudelte eines Tages Post von der Firma ein. Kein Anschreiben - nix, nur die Verdienstbescheinigung vom Arbeitsamt, Lohnsteuerbescheinigungen für 2005 und 2006, sowie verschiedene Gehaltsabrechnungen. Die Gehaltsabrechnungen mussten wir uns erst einmal von einer bekannten Steuerfachgehilfin erklären lassen, denn wir stiegen durch die zahllosen Umbuchungen nicht mehr durch. Anscheinend wollte man Schulungskosten direkt mit dem ausstehenden Gehalt verrechnen, hat dann aber die Idee wohl verworfen - Geld gab es trotzdem nicht. Zwischenzeitlich kam auch das erste Gehalt vom neuen Arbeitgeber und die schlimmsten Sorgen waren verflogen. Es ging auf Mitte Februar zu und der zweite Termin beim Arbeitsgericht stand an. Vorher aber eröffnete ich noch einen Nebenschauplatz, von dem ich bis heute nicht weiss was daraus wird, denn ich erstatte Anzeige gegen I und R wegen Vorenthalt und Veruntreuung von Arbeitsentgelt. Ausser einer Bestätigung des Einganges habe ich bis heute nichts davon gehört.
Wieder erschien R selbst vor Gericht und mit grossmännischer Geste erkannte er unsere ‘Forderungen’ vor Gericht an. Sogar eine schriftliche Bestätigung über den Erhalt des Autoschlüssels und das Handy gab er mir, obwohl ich es gar nicht wollte. Abschließend liess er sich sogar noch von der Richterin erklären, mit welcher Begründung wir den Bruttolohn einklagten(!). Es gab also wieder einen Vergleich, aber diesmal liessen wir uns sofort nach Erhalt des schriftlichen Teils einen vollstreckbaren Titel geben. Mit ihm ging es zum Anwalt König nach Oldenburg und wir leiteten dort die Pfändung der Forderung bei einen Drittschuldner ein. Dies ging verhältnismäßig schnell und Mitte April kam die Mitteilung, dass die Pfändung erfolgreich war und wir somit 2/3 der ausstehenden Gehälter sicher hatten. Nach also knapp 5 Monaten hatten wir das erste Geld.
Weniger erfolgreich war die Aktion mit dem Gerichtsvollzieher. Nach 4 Wochen kam der erste Bescheid, dass man ‘den Schuldner’ angetroffen hätte, er der Durchsuchung der Geschäftsräume, sowie der Einsicht in die Bilanzen aber widersprochen hat. Es bliebe die Abnahme der Eidesstattlichen Versicherung oder wir könnten uns auf Teilzahlung einigen. Vor ersterem habe ich immer zurückgescheut denn mir war klar, dass die Firma am Abgrund stand. Aber es gab noch andere Ex-Kollegen die Termine beim Arbeitsgericht hatten und zwischenzeitlich selbst vollstreckbare Titel bekamen - ihnen wollte ich nicht die Möglichkeit nehmen selbst noch irgendwo Geld einzutreiben, was dann auch zumindest einem gelang. Wir einigten uns also auf Teilzahlung, alle zwei Wochen sollte eine Rate beglichen werden. Erstaunlicherweise trudelte sogar die erste Rate ein - dann war Ruhe. Wir riefen verwundert die Gerichtvollzieherin an, als nach 4 Wochen nichts passierte und bekamen die Auskunft, das ja zwischenzeitlich Ostern gewesen wäre und das sie sich erst schlau machen müsste. Am Tag darauf rief sie zurück und teilte uns mit, das ‘der Schuldner’ sich weigern würde weiter zu zahlen, da wir ja bereits mit der Pfändung des Drittschuldners mehr Geld erhalten hatten als uns zustehen würde (wir hatten den Bruttolohn eingepfändet) und damit dieser Titel hinfällig wäre. Ich erinnerte die Gerichtsvollzieherin daran, das der eine Titel nichts mit dem anderen zu tun hat und wir verständigten uns darauf, dass sie mir den vollstreckbaren Titel zurücksendet. Dies geschah auch umgehend und wieder saß ich
beim Rechtsanwalt König in Oldenburg und leiteten die Pfändung ein.
Das vorerste letzte Kapitel ist die Insolvenz meiner ehemaligen Firma per 17.5.2006. Die Pfändung läuft bis zum heutigen Tage und ich weiss nicht genau was nun passieren wird. Mein Anwalt meint es könnte passieren, dass ich mich mit dem Insolvenzverwalter noch streiten muss, aber auch das werde ich überleben. Gespannt warte ich nun, ob überhaupt ein Insolvenzverfahren eingeleitet oder mangels Masse gleich abgelehnt wird. Gespannt bin ich auch, ob gegen die GF ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung eröffnet wird. Sollte es dazu kommen werde ich mir bestimmt mindestens einen Tag Urlaub nehmen und mir die Sache live anschauen - geht doch nichts über Genugtuung.
Disclaimer: Meine Bewunderung an alle die diese lange, trocknene Litanei durchgestanden haben. Es ging mir hierbei nicht darum Leute an den Pranger zu stellen, sondern mein Blog ist auch ein wenig Familien-Album für mich. Ich möchte mich später einmal daran erinnern können, was wir (Meike und ich) zusammen durchgestanden haben. Ich möchte daran erinnert werden, dass ich in eine Familie eingeheiratet habe, auf die wir uns immer verlassen können. Meikes Eltern und Grosseltern haben uns während dieser ganzen Zeit sehr, sehr geholfen und ich kann meinen Dank dafür kaum ausdrücken. Alles im allem war/ist das die extremste Situation, die ich in meinen Leben bis jetzt durchstehen musste, mal sehen wie ich in Zukunft darüber denke.
Veröffentlicht am 29.Mai 2006 | Kommentare: 19 | Artikel 3086mal angeschaut
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2. Kommentar von hellsfinger | Datum: 30.Mai 2006
Als Stammleser (der nur so unheimlich schreibfaul ist…)
habe ich diese “lange, trockene Litanei” natürlich gelesen (vor allem wenn man weiß worum es geht…) schliesslich fühlt man sich ja doch irgendwo ein wenig verbunden, und sei es nur ein Blog das man eher aus technischem Interesse liest.
Es ist schon erschreckend wie schnell man auch als “rechtschaffender Mensch” so schnell so unverschuldet in eine Notlage kommen kann. Traurig aber auch irgendwie ermutigend finde ich, gerade als junger Mensch, das es am Ende doch wieder die guten alten Familienbande sind die einem in solch einer Lage helfen (müssen). Da ezähle noch mal jmd das unser Sozialstaat viel zu vorsorgend sei, es kann jeden treffen, und wehe man hat dann niemanden im Rücken….
3. Kommentar von ssam | Datum: 30.Mai 2006
Die Mühlen der Rechtsprechung mahlen langsam, und die Bürokratie ist furchtbar. Überall Fristen und Wartezeiten. Inzwischen kann man auf der Strasse sitzen und völlig mittellos sein.
Auch mir wurden Dinge gesagt, die ich nicht glauben konnte. So bekom ich kein Wohngeld, weil ich zu wenig verdiente. Man wäre so nicht lebensfähig sagte man mir nur.
Es ist erschreckend was heutzutage abgeht. Schmarotzer bekommen das Geld hinterher geschmissen und ehrliche Bürger bekommen unglaubliche Antworten.
Wo sind wir nur angekommen ?
4. Kommentar von kiesow | Datum: 30.Mai 2006
mein tiefster respekt, das ihr das durchgehalten und nicht zwischenzeitlich kapituliert habt.
5. Kommentar von martin | Datum: 30.Mai 2006
Tja, wenn Kapitulation weder denkbar noch möglich ist (man kann ja nicht mit Frau und Kindern unter die Brücke ziehen), kann man schon einiges durchhalten.
Ich habe das Ding ebenfalls ganz gelesen. Schönes Beispiel für die vermeintliche Sicherheit, die einem feste Arbeitsverhältnisse bieten, speziell noch dazu in kleinen Firmen mit “kurzen Entscheidungswegen” und “flachen Hierarchien”. Da leide ich doch lieber noch ein wenig unter meiner vermeintlichen Freiheit als brotloser Künstler. ;-)
6. Kommentar von kaasboer | Datum: 30.Mai 2006
Seltsam, dass man auf diesem Wege etwas über die Hintergründe erfährt, nachdem alle, die ich direkt gefragt habe, sich sehr bedeckt gehalten haben. Und ärgerlich, dass ich erst jetzt erfahre, dass Du einen Job gesucht hast . :-(
Jedenfalls hoffe ich, dass Euch so eine Odyssee für die Zukunft erspart bleibt.
Gruss,
kaasboer
(Ex-Kunde der alten Firma, nun Kunde bei der neuen)
7. Kommentar von wolfgang | Datum: 30.Mai 2006
ich frage mich, warum sie die ersten angebote von den ehemaligen mitarbeitern nicht angenommen haben?
zu 2. bzgl “wehe man hat dann niemanden im Rücken”
es ist etwas naiv, dass soziale system als alleinige stütze zu betrachten. der größte rückhalt besteht immernoch in der familie, auch wenn diese in unserere generation schrumpft.
8. Kommentar von Ivo | Datum: 30.Mai 2006
Auch ich habe so eine kleine Geschichte, nicht so “dragisch”, wie deine, aber mit der gleichen Intension:
Ich arbeitete vor einiger Zeit in einer sehr kleinen Firma und kam mit der GL sehr gut aus. Das ging sogar soweit, dass ich private Dinge für sie klärte und viele Sachen erledigte, die eigentlich nicht zu meinem Arbeitsauftrag gehörten.
Der Firma ging es merklich schlechter und ich war einer der letzten, die auf dem sinkenden Boot waren. Auch zu dieser Zeit tat ich meinen Dienst nach bestem Wissen und Gewissen. Vom letzten Gehalt wurde mir nur ein Teil ausgezahlt und den Rest sollte ich dann bekommen, wenn ausstehende Einnahmen angekommen wären.
Es war für mich so gut wie sicher, dass ich mein restliches Geld bekommen würde. Man kam ja schließlich sechs Jahre sehr gut miteinander aus.
Mir wurde gekündigt und wir trennten und im Guten. Danach sahen wir uns noch öfters und ich übernahm noch die eine oder andere Aufgabe — unentgeldlich.
Vom Geld sah ich eine Weile nichts. Mittlerweile hatte ich eine neue Arbeit und damit nicht die prekäre finanzielle Situation, die du erlebt hast. Dennoch habe ich das Geld, was mir noch zustand, auch nicht übrig und kann einfach so darauf verzichten.
Der Kontakt wurde loser und der Ton etwas kühler. Schließlich bekam ich einen Verrechnungscheck, der platzte.
Zur Zeit besteht kein Kontakt mehr. Scheinbar wollen noch andere Leute Geld und ich bin dabei das geringste Problem. Ein Schuldschein wurde ausgestellt. Der ist aber wertlos, da er von einer Firma stammt, die auch schon insolvent ist.
Mein Fehler war, dass ich im guten Glauben gehandelt habe. Mein Geld habe ich inzwischen abgeschrieben und der Glaube an das Gute im Menschen ist um einen Betrag größer Null gesunken. Leider.
Am meisten stört mich an der Sache, dass wegen so einem kleinen Betrag (einige hundert Euro) eine bis dahin sehr gute Beziehung auseinandergegangen ist. Mir lag viel daran. Der Gegenseite scheinbar weniger.
ps: Danke für die Geschichte. Und: In solchen Situationen weiß man, was man an einer intakten Familie hat. Vorher hat man es nur geahnt.
9. Kommentar von joern | Datum: 30.Mai 2006
@eckes: Meine beiden ehemaligen GF sind privat durchaus sehr nette Menschen.
@kaasboer: Ich konnte ja schlecht ne Jobanzeige via Blog aufgeben. Ausserdem kann ich ja mal früher Feierabend machen und dann komme ich auf ne Kanne Milche vorbei, weit weg ist es ja nicht ;)
@wolfgang: Ich musste mich halt entscheiden, ob ich den bisherigen Job weitermachen wollte oder mich in eine andere Richtung entwickeln wollte. Ich entschied mich für letzteres und war mir im klaren, das es der vorerst schwerere Weg war. Nur für ein paar Monate zu meinen Ex-Kollegen zu gehen wäre auch keine gute Option gewesen.
@Ivo: Das Problem ist meiner Meinung nach, das sich Menschen radikal ändern, wenn es um die eigene Existenz geht - da kennt man weder Freunde, noch Kollegen oder Mitarbeiter.
10. Kommentar von norialis | Datum: 30.Mai 2006
ob du es glaubst oder nicht, ich entstamme einer ähnlichen firma, aber ich habe rechtzeitig den absprung geschafft, hab sogar mein berufsbild völlig verändert, aber letztlich verstehe ich deine situation sehr gut.
bei meiner firma ist das erschreckende, dass es sie noch immer gibt obwohl ich mir mit einigen ehemaligen kollegen sicher war, dass die unternehmung nichtmal weihnachten 2001 erlebt - das ist inzwischen fast fünf jahre her, gut man hat letzen herbst umfirmiert, den alten karren gegen die wand gefahren und allem einen neuen namen verpasst.
zu den ehemaligen kollegen ist zu vermerken, das es sich um den Betriebsleiter, den Ein- und Verkäufer, die Buchhalterin, EDV und Fakturierung inklusive Labor und Qualitätssicherung (ich selbst) um die komplette Bürobelegschaft handelt - ich war der erste der gegangen ist, alle anderen wurden früher oder später gekündigt. einzig der GF blieb übrig, zum ende hatte er zwei azubis (die ich nicht mehr erlebt hab) welche zu ausbildungszeiten all unsere arbeiten übernommen haben - aber das ist meine geschichte, die gehört hier nicht her…
aber wie gesagt, es gibt viele parallelen zu deiner geschichte, vor allem die zahlungsmoral :)
ich wünsch dir, dass es zukünftig besser läuft und dir/euch derartige probleme erspart bleiben. glück hast du in der familie…
meine hochachtung, solche abschnitte so zu meistern
gruss
the norialis
11. Kommentar von insider | Datum: 30.Mai 2006
Ach Jörn,
möglicherweise gibt es ja auch Dinge, die Du von Deinen Ex-Kollegen nicht weisst… möglicherweise haben auch diese Menschen privat sehr grosse Sorgen - geben diese aber im Kollegenkreis nicht preis. Möglicherweise hat es ja eine Art “lähmendes Entsetzen” gegeben über die Art und Weise, wie hier Mitarbeiter “entsorgt” werden sollen.. Wie gesagt “möglicherweise” - geh´ einfach mal davon aus, dass einige Deiner Ex-Kollegen unter ähnlichen bzw. noch extremeren Zwängen stehen, die Du noch nicht einmal erahnst.
Aber Du hast schon Recht: so geht man einfach mit niemandem um - weder mit Kollegen noch mit vermeintlichen Freunden und sei Dir sicher, dass letztendlich jeder das bekommt, was er verdient - dafür sorgen die entsprechenden Leute schon selber!
12. Kommentar von Alex | Datum: 31.Mai 2006
Eine interessante Geschichte. Mir ging es so ähnlich, ich bin aber mit einem Grinsen aus der Sache rausgegangen. Die alte Fa. existiert zwar immer noch, wie die das geschafft haben ist mir aber schleierhaft.
Wenigstens konnte ich mit einem geringen Minus von wenigen Hundert Euro da raus kommen. Als Rache habe ich meinen 300PS-Sportwagen im letzten halben Jahr bei denen nochmal für 3500€ getankt und hatte viel Spaß mit meiner Freundin.
Es ist eigentlich ganz einfach: wenn man die MA zu lange wie Vieh behandelt, wird sich das irgendwann richtig rächen.
Jetzt habe ich den Sprung in die Existenzgründung gewagt. Ich kann zwar nicht sehr gut davon leben, habe aber endlich die Freiheit die ich brauche. Und ausserdem ist immer irgendwo Licht am Ende des Tunnels.
Schöne Grüße
Alex
13. Kommentar von Mudder Seemann | Datum: 31.Mai 2006
@ Insider
Ich kann mir nicht denken wer Du bist, aber Du kannst davon ausgehen, dass Jörn niemanden anprangern wollte, sondern einfach nur beschrieben hat, wie sein subjektives Empfinden der ganzen Sache ist. Dass sich einige Kollegen zu Hause mit Frau (und Kindern???) hingesetzt haben und sich darüber unterhalten, wie der Umgang von der GF mit Kollegen ist und wie man sich selbst in der Situation fühlen würde ist schön zu wissen. Wir haben mittlerweile schon fast alles hinter uns. Was wir so für Erlebnisse haben und hatten, kann man ja bei Interesse jederzeit unter der bekannten Email persönlich abfragen ;)
Das Leben geht weiter - für die einen so … für die anderen so. Entscheidungen muss am Scheideweg jeder für sich selbst treffen.
14. Kommentar von joern | Datum: 31.Mai 2006
@insider: Jede Firmenpleite hat eine Unzahl an Einzelschicksalen. Viele tragen ‘ihr Los’ ohne zu Murren, manche drehen durch, wieder andere suchen ein Ventil - so wie ich das mit dem Blog-Eintrag gemacht habe.
In Bezug auf meine Ex-Kollegen hege ich keinen Groll. In mir schwingt lediglich das Gefühl nach, das ich in den letzten Stunden in der Firma in mir hatte. Die ’schlechte Energie’ behalte ich mir für andere Leute auf.
15. Kommentar von Pit | Datum: 1.Juni 2006
Hallo lieber Jörn Seemann & family,
ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass sie in Ihrem neuen Job einen Arbeitgeber gefunden haben, der Ihre Leistungen zu schätzen und zu honorieren weiss. Ich lese seit längeren interessiert Ihren Blog und finde es mutig und bewundernswert, wie konsequent Sie dieses “öffentliche Tagebuch” pflegen. Sehr bedauerlich finde ich es, dass wir höchstwahrscheinlich beruflich wohl nicht mehr so viel miteinander zu tun haben werden.
Vielleicht finden Sie ja irgendwann noch einmal den Weg nach Bremerhaven - es gibt auch eine Tasse Kaffee (ich glaube mit Milch und Zucker) :-)
Peter Scheel
16. Kommentar von Pathfinder | Datum: 17.Juni 2006
Jemand sagte einmal in seiner grenzenlosen Arroganz, er sei die
“persona non grata”. Wie recht er doch hatte wusste er allerdings nicht.
Ich finde, man sollte jeden Menschen respektieren und achten. Was aber noch viel wichtiger ist, ist einem Menschen vergeben zu können. Falls wir das nicht lernen, richten wir uns selbst zugrunde. Ich wünsche Euch, dass Ihr nicht vergesst, aber verzeihen könnt.
Das Leben geht weiter!
17. Kommentar von retiarius | Datum: 22.Juni 2006
Hallo! FYI: Seit heute steht fest, dass am 30. Juni das Insolvenzverfahren mangels Masse eingestellt wird, die besagte Firma demnach zerschlagen wird. Auch zuletzt, wenn nicht noch mehr als zuvor, war die Arroganz und Uneinsichtigkeit einiger Personen für alle anderen beteiligten mehr als unverständlich und eine große Belastung. Das mitgemacht haben zu müssen wünsche ich niemandem, trotzdem ist es eine wichtige Erfahrung.
Also, wer’s live miterleben will, der sollte sich nächste Woche auf den Weg machen! :)
PS: Wenn ich noch die Möglichkeit habe, schick ich dir mal den Beissring zu, den du in deinem Wagen vergessen hast. Vielleicht ist ja nochmal Bedarf..
18. Kommentar von Mudder Seemann | Datum: 23.Juni 2006
Huhu,
also den Bedarf an solchen Beissringen (ich vermute, es handelt sich um einen Schnuller von Max) wird es spätestens ab Oktober wieder geben - grundsätzlich ist der Gedanke nicht schlecht. Besser ist allerdings, wir kaufen für den Bedürftigen einen neuen und treffen uns trotzdem mal zum Grillen oder so - halt das letzte 3/4 Jahr mal Revue passieren lassen. Mails werden von allen Interessenten gern genommen ;)
19. Pingback von Weblog der Boettjers » Blog Archive » Von Fristen, Geldern und dem t | Datum: 8.August 2006
[...] J
1. Kommentar von eckes | Datum: 30.Mai 2006
Ich finds erschreckend wie unmenschlich und kaltschnäuzig man sein kann. Merkt man das einem Menschen vorher schon an?