Überraschungen

Von Schulungen erwartet man in der Regel etwas und denkt sich vorher, was wohl am spannendsten und wichtigsten wird. Ich hätte vorher auf Zones, Dtrace oder ZFS als wichtigstes Thema getippt, aber weit gefehlt. Ich würde sagen SMF (Service Management Facility) ist das wichtigste Thema bei Solaris 10. Warum? Nun es geht um nicht weniger als die Ablösung des SYSV-Init Konzeptes. Das wird eine ziemliche Umstellung.

Klar, es gibt immer noch Runlevel mit den Scripten, sie sind aber nur eine Krücke, denn intern arbeitet Solaris bereits mit sog. Milestones. Beim Booten jetzt werden Services parallel hochgefahren und wenn man sie stoppen will muss man aufpassen, denn die normale Syntax

svcadm disable ssh

beendet nicht nur SSH, es ist wirklich disabled, denn bei nächsten booten wird es nicht mehr mitgestartet. Besser ist

svcadm disable ssh -t

welches den Service nur temporär beendet. Zudem birgt SMF einige Überraschungen, denn stirbt (oder wird mutwillig abgeschossen) ein Prozess wird er automatisch(!) neu gestartet. Die Konfiguration der Services erfolgt über XML-Dateien, die man (selbst parsen und) importieren muss, liegen tut der ganze Kram in einer (Sqlite?) Datenbank – ist die Schrott hat man Pech gehabt.

Auf der anderen Seite gewinnt man ein System, das mit Abhängigkeiten arbeiten kann. Ob das als Vorteil ausreicht weiss ich nicht. Drumherum kommt man sowieso nicht, denn man kann zwar weiterhin mit Init-Scripts arbeiten, aber einige Dinge gehen halt nur über SMF.

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6 Comments.

  1. SysV-Init kann unter Linux lt. LSB auch Abhängigkeiten. Ist dann dort halt der selbe Kommentarschrott, über den wir uns schon an anderer Stelle aufgeregt haben. Ubuntu Eft kommt mit einem Init-System namens “Upstart”. Damit habe ich mich allerdings noch überhaupt nicht beschäftigt, sondern nur die Info irgendwo aufgeschnappt: https://wiki.ubuntu.com/ReplacementInit

    SysV-Init ist nur dann cool, wenn man es nach jahrelanger planloser Frickelei richtig verstanden hat. Ich würde von mir nicht behaupten wollen, daß das bei mir der Fall ist. Von daher empfinde ich die allseitigen Umstellungsbestrebungen eigentlich als positiv. Oder bist Du Dir _wirklich_ immer im klaren, wie die Scripts beim Übergang von einem Runlevel ins andere oder beim Überspringen eines Runlevels _genau_ abgearbeitet werden? :-)

  2. SMF ist in den Mütterforen eine Abkürzung für Schwiegermutterfrust *g*

  3. Gentoo Linux hat schon länger ein solches System. Die Abhängigkeiten werden dort in einer Funktion namens depend() definiert. Es ist nach wie vor scriptbasiert und auf keine Datenbank angewiesen. Jedoch wird es gecached. Ein weiteres System wäre cinit. Es löst auch abhängigkeiten auf und ist auf keine Datenbank angewiesen.

    Meiner Meinung nach gibt es aber viel zu viele verschiedene init-Systeme. Ubuntu Eft initsystem wird wohl ähnlich dem Gentoo init-System.

    Ich hatte leider auch schon das Vergnügen mit diesem Solaris init-System und mehr Frust und Ärger als irgendwelche Freundensprünge. Es ist einfach *bäh*, zumal sie auf ein relativ bloatiges Beschreibungsformat (XML) zurückgreifen. Ausserdem, da es ja sowieso bereits Datenbankbasiert ist, hätte man auch eine saubere Schnittstelle definieren können und nicht zuerst mühselig über XML zu gehen.

  4. Ich finde die Ablösung von SysV-Init auch nicht schlecht, allerdings erscheint mir die Sun-Lösung fragwürdig, denn sie macht mehr Arbeit. Enable (aka. Starte) ich einen Service gibt es keinerlei Rückmeldung auf der Console, sondern ich muss erst noch ein zweites Kommando absetzen, um zu sehen ob das Ding auch läuft – das kann ein gutes Start-Script besser. Auch die dahinterstehende DB macht mir Sorgen, denn laut Trainer kann man sie nicht sichern, sollte sie also mal irgendwann korrupt sein, beginnt das Rennen.

    @Rene: XML ist für mich eine gute Sprache mit der sich Services, also Maschinen unterhalten, aber eine beschissene Schnittstelle zu Menschen.

  5. SMF find ich garnicht so schlecht. Ist schade dass Solaris noch ein paar andere Konzepte parallel hat, zum Beispiel PMF für den Sun Cluster.

    SMF News gibts übrigens bei Liane Praza
    http://blogs.sun.com/lianep/

    Gruss
    Bernd

  6. Ich hab mich schon bei den Solaris10-Betas darueber geaergert dass Sun das Rad in schlecht nochmal neu erfinden muss. Waehrend der Produktreife wurde dann auch noch leider immer mehr kram in SMF gepackt. SMF ist fuer das was es tut deutlich zu kompliziert, selbst einfachste Dinge brauchen ordentlich Gewoehnung.

    Deutlich sinnvoller waere es gewesen etwas aehnliches wie djbs daemontools aufzubohren. Ich habe auf meinen Linux-Systemen die interessantesten Features von SMF dank minit schon seit laengerem — in einfach.