Solaris aus Linux Sicht

Wenn man Jahre nicht mit Solaris zu tun hatte und dann von Version 8 auf Version 10 umsteigen will ist das ein ziemlicher Sprung. Trotzdem ist es die Reise wert. Stoppen kann einen dann auch nicht der normale Installer, den ich mal als sub-optimal bezeichnen möchte. Nein, er ist schlichtweg abschreckend und alle Leute, die über Debians Text-Mode Installer lästern wünsche ich 10 Solaris Installationen am Stück. Für den professionellen Einsatz ist da besser JET (Jumpstart Enterprise Toolkit) geeignet, das eine vollautomatische Installation und Konfiguration verspricht – wer fai kennt, sollte eine wage Vorstellung haben, was da abgeht. Man kann verschiedene Solaris Versionen und Architekturen (Sparc und i386) installieren und anschließend Patche ausrollen, Konfigurations-Dateinen anpassen, beliebige Scripte ausführen, das System härten und (zumindest bei Solaris 10) Software-RAID einrichten. Das mit den Software-RAID finde ich bemerkenswert, denn auf Solaris-Systemen ist es weit verbreitet. Auf Sparc-Kisten habe ich noch nie einen Hardware-RAID Controller gesehen und die MPT Fusion-basierten in den Opteron-Kiste sind genauso toll wie der Solaris Installer – in den ersten Firmware-Revisionen bekam man beim Lesen der Erratas Schweissperlen auf die Stirn. Zum Glück hat sich das geändert.

Für Linux-Umsteiger ist der erste Login dann etwas ernüchternd. Geht man über die grafische Oberfläche landet man entweder im uralten CDE oder im Java Desktop, der wohl von Gnome abstammt. Auf der Console landet man in einer echten /bin/sh, für jemanden der die Bash gewohnt ist ein harter Umstieg. Zum Glück liefert Sun mittlerweile viele GNU-Tools wie grep, tar, bash, wget mit, man muss aber immer im Hinterkopf haben, das diese in einen ganz anderen Pfad (/usr/sfw) liegen, explizit angesprochen werden müssen und teilweise ein g (z.B. gtar) vorangestellt bekommen haben. Ansonsten nutzt Solaris die eigenen Versionen, die in etwa dem Stand der BSD-Versionen entspricht ( also z.B. kein grep -r). Das sind sicher alles Oberflächlichkeiten, aber ich finde das Sun an einigen Stellen von ihren hohen Ross runterkommen sollte und sich den Standards von Linux anpassen sollte, nur so wird man neue Kundenkreise erschließen. Das hat selbst Novell mittlerweile erkannt. Nicht umsonst schmeissen sie Netware über Bord und steigen auf Linux um. OpenSolaris ist zumindest ein guter Anfang.

Netterweise gibt es im Internet Menschen, die fertige Software-Pakete für Solaris anbieten. Die bekannteste Quelle sollte Sunfreeware sein, gefolgt von Blastwave. Es existiert mit pkg-get, das man mit guten Willen, als an Debians apt angelehnt bezeichnen kann. Man kann nach Software im Repository suchen und sie installieren. Die Blastwave-Variante unterstützt sogar Abhängigkeiten…

Vieles klang jetzt nicht so begeistert, trotzdem finde ich, das Solaris ein gutes Betriebssystem ist. Manche Dinge sind sicherlich nicht ganz so toll wie sie scheinen. Z.B. kann ich die Euphorie um ZFS nicht so recht verstehen. Vielleicht hilft es ein wenig die Begeisterung zu verstehen, wenn man sich nochmal vor Augen führt das bei Solaris viel mit Volume-Managern und Software-RAID gemacht wurde, seien es nun die hauseigenen Tools oder die von Veritas. Da ist eine Zusammenführung der Funktionalität bestimmt ein Schritt in die richtige Richtung. Genauso bei den Zonen. Die Netzwerk-Kommunikation wird über logische NICs (qfe0:1, ce0:1 etc.) geregelt, man muss also Notfalls eine lokale Firewall haben, um das sicher trennen zu können, auch gibt es einfach noch zu viele Gründe um eine Zone neu starten zu müssen. Für ersteres ist aber mit Crossbow Abhilfe in Sicht.

Auf der anderen Seite ist die Zonen-Funktionlität einfach da. Kein Kernel-Gefrickel, nichts. Zudem ist eine Zone aus Sicht des Systems recht unkompliziert, da es sich im Prinzip nur um einen Verzeichnisbaum handelt und nicht um eine Image-Datei. Man könnte sie bestimmt über NFS sharen oder per rysnc anderswo vorhalten. Schön ist auch der Fair-Scheduler oder die Prozessor-Sets, mit denen man recht genau festlegen kann wer welche und wieviele System-Rescourcen verbrauchen kann. Einen OOM-Killer a la Linux gibt es auch nicht.

Ich finde jedenfalls, das Solaris eine echte Bereicherung ist. Es ist ein Blick über den Tellerrand. Nicht alles an Linux ist toll, genauso wenig wie Solaris das Über-Unix ist. Wenn man in beiden Welten wandelt kann man sich so aussuchen, was für den Zweck das beste Tool ist und es ist nie schlecht eine Wahl zu haben.

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8 Comments.

  1. hört sich ja mal richtig interessant an, sollte ich mir vielleicht mal anschauen. Was alternativen zu Linux und so angeht habe ich ja auch Hurd noch nicht auf gegeben, das kommt ganz sicher nächstes Jahr ;-)

  2. Hinweis: Im text hast du glaube ich ein paar HTML-Tags nicht sauber abgeschlossen, drum liest sich ein teil davon sehr merkwürdig..

    ansonsten guter Artikel – werd ich mal Solaris-Fetischisten in nächster Zeit wieder belästigen gehn ;)

    cu, w0lf.

  3. @fwolf: Danke für den Hinweis, einen habe ich gefunden. Wenn Dir noch mehr auffallen, melde Dich bitte.

  4. Dies soll jetzt kein Flamewar oder dergl. werden- ich gebe lediglich meine Persoenliche subjektive Meinung ab:

    Die Passage “sich den Standards von Linux anpassen ” solltest Du anpassen. gtar, ggrep und Konsorten haben nichts mit Linux zu tun, sondern sind- wie Du vorher schon beschrieben hast- GNU tools. Linux ist und bleibt ein Kernel und nichts anderes. Aber wie Du auch sagst- sind viele wichtige Tools ja bereits dabei: /usr/sfw

    Ich wuerde daher lieber “sich den Standards der meisten Linux Distributionen anpassen” sagen.

    Persoenlich wuerde ich Solaris oder BSD immer einem Linux vorziehen. Linux hat keine Standards in dem Sinne (jaja- LSB laesst gruessen). Distributionen/Distributoren gibt es wie Sand am Meer- aber jeder kocht sein eigenes Sueppchen. Solaris mag vielleicht nicht die Tools dabei haben ohne die die meisten Linux-User verloren sind (man kann auch ohne -r rekursiv “grep”en), aber dafuer wird sich jedenfalls an Standards gehalten. Man kann sich sicher sein, dass XYZ auf einem Solaris System, genauso auch auf einem anderen Solaris System ist.

    Wie gesagt- kein Flamewar oder aehnl… ich moechte auch keinen Linux User angreifen- dazu nutze ich selbst genug Linux Systeme… dies ist nur meine rein objektive Meinung

  5. @Doomhammer: Ob nun Linux oder Linux-Distribution, das empfinde ich als Haarspalterei.

    Distributionen/Distributoren gibt es wie Sand am Meer- aber jeder kocht sein eigenes Sueppchen[..]Man kann sich sicher sein, dass XYZ auf einem Solaris System, genauso auch auf einem anderen Solaris System ist

    Das jede Linux-Distribution sein eigenes Süppchen kocht ist normal und das Software von einen Solaris auf einen anderen Solaris läuft würde ich als Vorraussetzung sehen, nicht als Feature, was aber auch nur zutrifft, wenn man von Sun Solaris redet. Denn ich glaube nicht, das ein Paket von NexentaOS sich ohne Murren auf einen OpenSolaris, Schillix oder Sun Solaris installieren lässt. Solaris hat nämlich mittlerweise auch seine Distributionen, die ihre eigenen Süppchen kochen.

  6. Und ob dieses Distro-Wirrwarr nützlich ist bezweifle ich sehr stark, nicht umsonst bemüht man sich gerade bei Debian um LSB. Wobei genau diese für mich unter Linux die Idealdistro darstellt. Ansonsten hab ichs eher massiv mit den BSDs und auch Solaris.
    Letzteres mag einen seltsamen Installer für Linux-User mitbringen, aber wer noch nicht OpenBSD installiert, weiß da nicht was Installer noch bedeuten kann ;)
    Allerdings muß man OBSD auch zu gute halten, weiß man mal wie es geht, hat man in 10min ein stehendes und nutzbares System. :D

    Solaris ist immer eine Reise wert imo, nicht das über-Unix, aber auf jeden Fall ein Unix.

  7. Und keiner denkt an die Netzwerker!
    Alle Interfaces mit der gleichen Mac-Adresse … sowas sollte default aus, nicht an sein ;)

  8. @Olaf: Das mit den Mac-Adressen ist eine Sache der Sparc-Plattform.