Know your enemy oder auch nicht

Der Deutschland-Chef von Sun, Marcel Schneider, gibt der Computerwoche ein Interview. Neben den ganzen Marketing-Gerede offenbart sich, das er nur rudimentäre Kenntnisse von Linux besitzt:

Solaris ist das beste Linux.

Dazu fehlt Solaris die LSB-Zertifizierung, die Solaris Zweifelsohne gut stehen würde um das Pfad-Wirrwarr zu beenden und damit das ‘wo finde ich was’ Suchspiel ein Ende hat. Man-Pages wie für rm in denen vier verschiedene Varianten beschrieben sind haben dann hoffentlich ein Ende. Das hat zwar wenig mit dem Linux-Kernel an sich zu tun, aber der Solaris-Kernel hat auch nichts mit Linux zu tun.

Ich sehe nicht Linux, sondern Red Hat als Konkurrenz zu Solaris.

Red Hat ist eine Konkurrenz für Sun, Linux aber nicht für Solaris. Die Beweggründe dahinter (Build to work, Build for sale) sind zu Unterschiedlich.

Unser Vorteil sind aber beispielsweise die Möglichkeiten zur Konsolidierung. So läuft auf einer Sparc-Maschine das gleiche Solaris wie auf einem x64-Rechner von IBM. Es ist der gleiche Code, nur anders kompiliert.

Äh, Linux unterstützt zur Zeit 24 Architekturen, Debian Linux davon 11 – das nennt sich Homogenität.

Anwender müssten sich zudem nicht um viele unterschiedliche Versionen des Betriebssystems kümmern. Mit den verschiedenen Linux-Derivaten züchten sich die Anwender einen regelrechten Zoo an Betriebssystemen heran. Diese Gefahr besteht bei Sun nicht.

Anwender haben bereits einen Zoo von Betriebsystemen, weil Hersteller propietärer Soft- und Hardware das so wollen. Jeder kocht sein eigenes Süppchen und hält sich andere durch Support-Matrizen vom Leib. Leider springen Firmen wie Redhat und Novell/Suse auf den Zug auf, um selbst ein Stück von Kuchen zu bekommen. In einer offenen, freier Welt hätte jeder die Wahl wo er was installieren möchte.

10 Kommentare zu „Know your enemy oder auch nicht“

  • Ganz ehrlich: In einer offenen, freien Welt würden Fritzen wie der da oben nicht wissen, wie sie überleben sollen. Da ist es einfacher, man macht es Microsoft nach.

  • Das ist ein Kaufmann, Wissen gehört nicht zur seinem Repertoire. Er muss sich nur verkaufen können, das merkt man oft bei Kaufleuten.

  • Hallo Joern,

    du bist ja nun einige Zeit in beiden Welten – Linux und Solaris – unterwegs. Meine Ausflüge nach Solaris sind eher selten, und auch Linux und MacOSX sehe ich nicht aus Administrator-, eher aus Shell-User-Sicht. Und da merke ich, dass Bash, Terminal und vi mir out-of-the-box nicht den Standard bieten wie unter MacOSX und Linux – was für ein Server-OS vielleicht nicht sooo schlimm ist.

    Was sind aus deiner Sicht die Vor- und Nachteile von Solaris, was ist dran an den tollen Features wie SMF, ZFS, dTrace usw.? Kann ich dich zu einer kleinen Pro-Contra-Tabelle provozieren?

  • @Jürgen: Nein, kannst Du nicht. Dazu habe ich selbst noch zu wenig Erfahrungen um das fundiert beurteilen zu können. Was Du schreibst ist schon richtig: In Fragen Usability ist Solaris weit hinter Linux. Man kann das Nachrüsten, aber das ist mit etwas Arbeit verbunden. Diese Arbeit kann man gut über den Jumpstart Installations-Server automatisieren, aber wenn man alle Jubel Jahre mal Solaris installiert ist auch das zuviel.

  • Hmm, also einen Jumpstartserver mit JET aufzusetzen geht binnen Minuten … ich wuerde auch nicht sagen, das die Usability hinter Linux zurück ist. Die Usability ist eine andere, da die Designziele andere waren.

    Ich bin nicht neutral, das gebe ich zu: Aber ich habe auf dem CeBIT-Stand einige der wesentlichen Features vorgeführt, und alles was ich geerntet habe, war am Ende Begeisterung. Auch beim groessten Skeptiker.

  • stepheaux:

    Also Usability ist ja nun ein weites Feld, aber wer Usability auf einem Desktop sehen will, sollte mal längere Zeit mit einem Mac arbeiten. Da kommt kein GNOME/KDE/CDE und auch kein Windows mit.

    Wer Usability auf einem Server erleben will (das macht sich nicht an man Optionen fest) sondern an sowas wie truss, dtrace, VM, Skalierung unterstützte Storagesysteme, der soll sich längert mal Solaris beschäftigen. Da kommt kein Mac/Linux/BSD/Windows mit.

    Der Satz “Solaris ist das besser Linux” ist schon richtig, denn Dole ist ja auch der besser Snack. Syntax, Semantik, Pragmatik. So ist das nun mal.

  • c0t0d0s0: Klar, kann man fix JET/Jumpstart installieren, allerdings dauert die Anpassung doch eine Weile bis am Ende ein System rauskommt wie man es gerne möchte. Dazu zählen die Paket-Auswahl, eigene Dateien, das Härten via Jass, Skripte die Dinge erledigen, die JET nicht kann etc. pp.

    Das mit der anderen Usability ist so eine Sache. Wenn Du nur Linux-Jünger hast, braucht Du denen nicht mit einer Standard Solaris-Installation zu kommen. Die kriegen bei der Standard Shell einen Schreikrampf und kommen dann nie wieder. Da ist noch eine Menge Arbeit zu tun.

  • Stepheaux: Full ACK! MacOS X und Solaris ergänzen sich … Fragt sich nur, wann Herr Jobs endlich seinen Kernel aufgibt, und gegen Solaris austauscht. DTrace und ZFS hat er sich ja schon geholt ;) SMF und launchd sind ebenso Brüder im Geiste …

  • stepheaux:

    Schreikrampf bei Shell (welcher bash, sh)? Wenn die sich ein Auto ansehen bekommen sie wahrscheinlich auch ein Schreikrampf, weil kein Fuchsschwanz an der Antenne hängt. Tja dann….

  • Was ist denn die Alternative? Order per Mufti funktioniert nur bis zu einen gewissen Grad. Wenn die Leute das System nutzen sollen, muss man Ihnen in der Funktionalität entgegenkommen. Polemik hilft da kein Stück.

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