Linux vs Solaris
Gibt es unproduktiveres als Betriebssystem-Evangelismus und Lizenz-Diskussionen? Fand ich schon immer und darum habe ich mich bis jetzt auch immer aus solchen Dingen rausgehalten. Ich bin Pragmatiker durch und durch. Für jedes Problem gibt es mehrere Lösungen, es gilt lediglich das kleinste Übel zu wählen, denn eigentlich sind alle Betriebssysteme gleich Scheisse. Alle haben ihre Macken - ohne Ausnahme. Nehmen wir mal Linux:
- Seit 2.6 gibt es keine stabilen Kernel-Releases mehr. Grandiose Idee das anderen zu Überlassen
- Durch obiges ändert sich ständig irgendetwas im Umfeld, sei es devfs, udev - you name it
- Mangelhafte Dokumentation - vielleicht gibt es sie, wenn dann aber verstreut im Internet
- Die Preise für Enterprise Versionen sind ein sehr schlechter Witz
- Der OOM-Killer fühlt sich wie eine Notlösung an und ist auch eine
Oder Solaris
- In ganz Solaris kann man mit ndd Netzwerkkarten-Daten abfragen und einstellen - NOT
- Wer auch immer sich die VLAN-Konfiguration (1000 * VLAN-ID + Interfacenummer) ausgedacht hat, muss extrem stoned gewesen sein
- Tagged VLANs geht nur mit bestimmten Karten
- Wer Solaris patchen will sollte sich einen Tag Zeit nehmen - es dauert ewig und noch viel länger
- Das GNU-Userland ist besonders für Umstiegswillige ein Witz. Sie liegen entweder nicht im Pfad und/oder den Namen wurde ein g voran gestellt. Viel Spass beim Compilieren
- Apropos GNU. Wer fertige OSS-Software installieren möchte muss länger suchen und Blastwave ist weit vom Packaging eines Debian oder CentOS entfernt
Ich könnte sicher noch länger weiter lästern, aber irgendwie ist es die Sache nicht wert. Immer werden nur die tollen, neuen Überfeatures vorangestellt, anstatt mal die wirklichen Probleme anzugehen. Und nein, BSD ist keine Lösung - nie gewesen.
Veröffentlicht am 24.April 2007 | Kommentare: 2 | Artikel 2269mal angeschaut
Tags: Linux,Lizenz,Nervereien,Solaris
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2. Kommentar von Joern | Datum: 25.April 2007
Magnar, ich habe schon mehrfach zu dem Thema etwas geschrieben und mir geht es im Kern eigentlich nur darum, das es für jeden Zweck das richtige Werkzeug gibt. Linux ist nicht der Heilsbringer, genausowenig wie es Solaris oder Windows ist.
Wenn Du eine Erleichterung beim Patchen von Solaris haben willst, dann schau Dir pca an. Das bietet eine einfache Bedienung, konsistentes Verhalten in Solaris 8 bis 10, einen zentralen Patch-Server und ist bezeichnender Weise nicht von Sun :)
1. Kommentar von Magnar Hirschberger | Datum: 24.April 2007
Aus Deiner Aufstellung geht einfach hervor: Mit Linux läßt sich mit geringem Aufwand was Produktives anstellen - und mit Solaris eben eher nicht. Konzentrieren wir uns auf das eingängigste Beispiel:
Vor allem das Patch-Managment von Solaris ist eher ein schlechter Witz. Als ich seinerzeit Solaris 8 kennenlernte und ich mich ins Patchen einarbeitete, wurde mir eiskalt … Nix mit “yum update” oder ähnlichem.
Natürlich war die Reihenfolge der Patches exakt einzuhalten - hier setzte (und setzt) Sun voll auf “natürliche Intelligenz” - will heißen der Admin hat das zweifelhafte Vergnügen die Dinge zu ordnen. Als ich dann “pkg-get” fand, fand ich wenigstens - wenn auch nur ein wenig - Erleichterung.
Natürlich, das Patch-Managment ließe sich etwa mittels Jumpstart und cfengine für die Kisten im Rechenzentrum automatisieren. Was macht aber einer, der einfach mal 1 - 5 UltraSPARC-Kisten an den Start bringen möchte? Zunächst machen drei Kommandos (ab Solaris 9) Hoffnung:
-/usr/sadm/bin/smpatch analyze
-/usr/sadm/bin/smpatch download
-/usr/sadm/bin/smpatch add
Wichtig zu wissen ist, dass diese Kommandos per Default keine Patches zur Installation bringen, welche einen Neustart erfordern. Gleiches gilt für die Management-Konsole. Solche Patches (z.B. Kernel-Updates) muß Admin selbst installieren - das werden lustige Wartungstermine.
Im tiefsten Innersten hoffe ich natürlich auf den Vollprofi, der mir meine Ahnungslosigkeit aufzeigt und mit knappen Worten eine funktionierende, automatische (und bezahlbare) Lösung für das Patch-Management von Solaris vorstellt. Wenigstens der Komfort eines “up2date -u” oder eines “yum update” wäre doch was … auch “apt-get update && apt-get upgrade” wäre ganz ok.
Damit sich hier ein Jeder schnell einen Eindruck von dem machen kann, was einen da erwartet, hier einige Links:
http://www.samag.com/documents/s=7667/sam0213i/0213i.htm
http://www.samag.com/documents/s=7667/sam0213i/0213i_f1.htm
http://www.samag.com/documents/s=7667/sam0213i/0213i_f2.htm
http://sunsolve.sun.com/pub-cgi/show.pl?target=patchpage
Ach und wie sich Sun die Dinge vorstellt:
http://www.sun.com/blueprints/0205/819-1002.pdf
Man beachte die in diesem Dokument aufgeführten vielen Arten von Patches, irgendwas müssen die im Linux-Lager falsch gemacht haben - es gibt dort einfach nur Pakete und fertig. Bei Solaris kann man schnell zum Botaniker werden!
Und noch den Link zum Sun Patch Manager 2.0:
http://www.sun.com/software/download/products/40c8c2ad.html
Na ja, ich werde mich demnächst durch OpenSolaris durchkämpfen und mich da mal auf den neuesten Kenntnis-Stand bringen.
Freilich, dieser Link zeigt, das Sun immer noch mit dem Wörtchen “einfach” auf Kriegsfuß steht:
http://www.sun.com/service/sunconnection/index.jsp
Ausgerechnet Novell macht denen vor, was Einsicht bedeutet: Novells ZenWorks-Management-System wird jetzt nur noch mit den Enterprise-Versionen von Suse Linux ausgeliefert. Die haben doch tatsächlich gemerkt, dass ihr ZenWorks-Zeugs in kleinen, überschaubaren Installationen so ziemlich zweckfrei ist … dafür gibt es halt Packetmanager wie etwa rpm und dpkg und Meta-Packetmanager wie smart, yum, apt samt passenden Online-Softwarerepos - diese Werkzeuge und Leistungen entlastet den Admin ganz entscheidend.
Zum Schluß jedoch ganz zurück zum Start:
Würdest Du eine ähnliche Liste für Windows (2k, XP, Vista - was Du willst) ausarbeiten, dann wird man Solaris schnell wieder zu den “Guten” einordnen :-)))