Zur Lage der Nation
Bald sind es vier Jahre die ich blogge. Intressanterweise wird immer noch von einen Hype rund ums Bloggen geredet, ganz schön lange wie ich finde und ich hoffe es hört bald auf, habe aber keine sonderlich grosse Hoffnung. Im Moment bilden sich die ersten Netzpersönlichkeiten heraus, vergleichbar mit den Kulenkampfs, Carells und Hans Rosenthals der frühen TV-Jahre. Folglich wird man in ein paar Jahrzehnten immer wieder über die Niggemeiers, Sixtus, ix’en stolpern. Man ist schließlich mit ihnen gross geworden und sie gehören zur Einrichtung.
Gross in Mode scheinen Krawall-Blogs und Google Keyword-Spammer zu sein. Krawall-Blogs pusten mit ordentlich Schmackes banale Inhalts-Mücken zu einer Elefanten-Stampede auf, ein äquivalent zu dem was die Bild-Zeitung jeden Tag so treibt, nur ohne Titten-Bilder. Bei den Google Keyword-Spammern geht es nur vordergründig um Inhalte. Man findet sie häufig bei den SEO-Social Media Diensten, die ja so ganz anders sind wie das Vorbild in Amerika. Sie stellen dort meist wohlgeformte, gutleserliche Texte ein, die aber letztlich vor Allgemeinplätzen, Annahmen und Banalitäten nur so strotzen. Ihre wirkliche Aufgabe ist aber nicht den Leser zu gefallen, sondern einen gewichteten Mix aus Google Keywörtern aufzunehmen, damit sie gut gefunden werden und den Traffic hochtreiben. Mit Bloggen hat das imho wenig zu tun.
Und mein eigenes Blog? Mein Anspruch war es nie ständig die Geschehnisse der (IT-)Welt zu kommentieren, ich wollte immer eigenen Content haben. Das habe ich sicher auch bis zu einen gewissen Punkt geschafft. Für all die Twenty-Something-, Gadget- und Geekplatitüden die so täglich durchs Blogdorf gejagt werden fehlt mir Vielfach der Draht. Sicher klingt das ein wenig abgehoben, aber mit 37 Jahren, Frau, drei Kindern, einen Haus und was sonst noch zum ordentlichen Spießertum gehört sieht mein Blick auf die Welt ein wenig anders aus.
Was sich zukünftig hier im Blog ergibt weiss ich nicht. Viele meiner Postings hatten/haben einen realen Ursprung in meiner Arbeit. In der letzten Zeit ist das Pendel von Linux vermehrt zu Solaris ausgeschlagen, was sich aber täglich auch wieder ändern kann. Seit heute habe ich mehr Verantwortung, es kann ebenso in eine ganz andere Richtung ausschlagen. Spielt für mich aber keine grossen Rolle, da ich niemanden Rechenschaft schuldig bin. Vielleicht wird mir die Zeit fehlen im bisherigen Umfang weiter zu machen, aber ganz aufhören könnte ich nicht. Für mich war und ist Bloggen doch immer ein wenig ein Tagebuch. Man kann nachschauen was einen wann bewegt hat und nur hoffen das einen die eigenen Kinder später nicht wegen der Rechtschreibung hänseln.
Veröffentlicht am 4.Juni 2007 | Kommentare: 8 | Artikel 1016mal angeschaut
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2. Kommentar von Mark | Datum: 4.Juni 2007
Gratz zur Beförderung :-)
3. Kommentar von Oli | Datum: 4.Juni 2007
Die Kinder sind wohl der ausschlaggebende Punkt gewesen, die Frau an sich ist bei mir auch zu nerdig ;)
Glückwunsch für das Fortkommen :)
5. Trackback von Notizblog | Datum: 5.Juni 2007
Word!…
Ich bin ja kein Fan davon, anderer Leute Gedanken einfach so weiterzutragen. Immer krittle ich hier, schleife da, streiche dies und ergänze das. Lassen wir das Mal weg.
Gross in Mode scheinen Krawall-Blogs und Google Keyword-Spammer zu sein. Krawall-…
6. Kommentar von Magnar Hirschberger | Datum: 5.Juni 2007
Auch sehr beliebt sind Blogs mit Linklisten oder welche, die mittels Skripte automatisch die Nachrichten seriöser Anbieter einsammeln, um so Surfer von Google weg auf solche Seiten zu locken. Die Angelockten finden dann dort Werbung oder Schlimmeres (Malware). Oder es dient dem Klickbetrug.
Schrott lauert überall.
Um so mehr achte ich all diejenigen, die engagiert bloggen und dabei anständige Inhalte zustande bringen.
7. Kommentar von Torsten | Datum: 5.Juni 2007
Meine Hochachtung für die, die selbst denken, selbst erleben, selbst bloggen.
8. Kommentar von Alexander Trust | Datum: 6.Juni 2007
Ich kann mir vorstellen, was du meinst, wenn du deinen sozialen Hintergrund skizzierst. Allerdings finde ich nicht, dass man das als Begründung empfinden muss - hast du überhaupt dein “nicht am Zahn der Zeit”-Bloggen damit begründet? Vielleicht hab ich das falsch aufgefasst. Aber schau dir Robert Basic an, der steht dir kaum nach, außer dass er eben offenbar der deutsche Techcrunch geworden ist. Bei ihm findet man viele viele Neuigkeiten. Es ist durchaus eine Art von Fulltimejob, wenn man immer auf dem Laufenden bleiben will. Das ist ja zum Beispiel auch der Grund, warum Akademiker über ihre Laufbahn mehr und mehr zu so genannten Fachidioten werden. Das ist nur der pejorative Ausdruck, den man dafür verwendet. Man muss ihn nicht so negativ bewerten. Aber eine wissenschaftliche Disziplin entwickelt sich auch rasend schnell und von der ganzen Welt kommen Infos auf einen eingerasselt. Wenn man dort ein Wörtchen mitreden möchte, muss man sich informieren. Das ist natürlich nicht das Ansinnen von allen Leuten, und es gibt durchaus viele viele andere Dinge im Leben, die neben der Information und/oder dem Wissen eine Bereicherung darstellen. Jeder eben nach seiner Fasson.
1. Kommentar von Juergen | Datum: 4.Juni 2007
Meinen Glueckwunsch fuer deine Ausdauer und die Inhalte, meine Symphatie fuer den unaufgeregten, hypefernen, unmodischen Duktus.