Fedora 8 – Schlechte Seiten, gute Seiten

Eigentlich wollte ich mit Archlinux beginnen bei der Suche nach einer neuen Distribution, aber ich habe schnell gemerkt, das es etwas mehr Vorarbeit benötigt. Also hab ich schnell zur Fedora 8 RC3 DVD (am Donnerstag wurde es veröffentlicht) gegriffen, da sie gerade hier rumlag. Die Installation wird jedem der schon einmal Redhat installiert hat, und wenn es schon ein paar Jahre her ist, bekannt vorkommen.

Der erste Versuch ging bei mir schief, da ich Extra Repositories angeklickt hatte und mich daraufhin in einen Dialog befand, den man nicht abbrechen konnte. Eine direkte Konsequenz aus der leider immer mehr um sich greifenden Unsitte Dialog Fenster nur noch mit einen Schließen Button zu versehen. Der zweite Versuch ging dann ohne Probleme. Der Installer, wie auch der Boot-Vorgang, Login-Screen und das Gnome-Theme sind sehr schick gestaltet, das muss man den Fedora-Leuten lassen.

Da ich kein Gnome-Fan bin habe ich mir sofort KDE installiert und dann ging das Drama ein wenig los. Fedora, wie auch Suse, liefern keine MP3-Codecs mit. Das ist natürlich schlecht, wenn man bei der Konfiguration etwas Musik hören will. Dafür soll es in Fedora 8 einen sogenannten Codec Buddy geben, der aber leider nirgends im KDE-Menü zu finden war, noch gab es ein Programm mit solchen Namen. Man findet zwar überall schicke Screenshots, mehr aber auch nicht. Nach einer geschlagenen Viertelstunde stiess ich dann auf codeina, dem Codec Buddy.

Der Codec Buddy ist so ziemlich das am schlimmsten hingerotzte Programm das ich je gesehen hab. Fällt jemand an dem Screenshot was auf?

Codeina, der Codec Buddy

Genau, am Codec ist vorne ein Häkchen, hinten steht not installed, man kann es aber nicht installieren, weil Get selected ausgegraut ist. Ein veritabler Intelligenztest würde ich sagen der sich auflöst, wenn man einen anderen Codec zustätzlich aus- und wieder abwählt. Der wirkliche Hammer aber ist, das Amarok mit dem Codec nichts anfangen kann. Das ganze also vollkommen Sinnlos ist.

Fedora liefert auch keine proprietären Treiber für Nvidia oder ATI aus, so das man spätestens hier sich nach externen Software-Repositories umschaut. Erste Wahl dürfte hier Livna sein. Dort gibt es MP3-Codecs für Amarok und Treiber für Nvidia.

Von diesen Punkt an, das muss ich als alter Redhat-Hasser zugeben, hat es angefangen Spass zu machen. Die Nvidia-Treiber und Compiz waren mit ein paar Befehlen und Klicks eingerichtet. Meine DVB-T Karte ging Out-of-the-Box und sogar meinen Lexmark z517 Drucker habe ich mit den Treibern eines z617 von der Lexmark-Seite und dem compat-libstdc++-33 Paket zum laufen bekommen.

Natürlich gibt es ein paar kleinere Unschönheiten. Die Desktop-Fonts sehen noch scheisse aus und ich DVB-T nicht mit Klear gucken. Das ist zwar dabei, aber es liefert kein Bild und Ton. Dagegen funktioniert Kaffeine ohne Probleme inkl. Senderscan.

Fazit: Wenn ich einen Vergleich zu Ubuntu ziehen muss, dann hat Ubuntu in Punkto Anfängerfreundlichkeit kilometerweit die Nase vorn. Man installiert es und man hat ersteinmal ein komplettes System vor sich. Bei Fedora hingegen muss noch recht viel getan werden, um einen Stand zu erreichen wo man von einen normalen Betriebssystem reden kann. Für fortgeschrittene Nutzer die halbswegs wissen was sie wollen und wo sie es finden ist Fedora ein gute Wahl. Ich werde jedenfalls ein Image der Installation machen, bevor ich mir die anderen Distributionen anschaue, denn eigentlich bin ich im Moment sehr zufrieden mit Fedora.

13 Kommentare zu „Fedora 8 – Schlechte Seiten, gute Seiten“

  • Da ist der Punkt mit den Lizenzen bzw. der “Freiheit” die einem da leider bei Fedora übel mitspielt und das wird sich auch nicht bei Fedora ändern. Die freien Pendants, z.B. IcedTea als Java Ersatz, sind zwar nicht schlecht, in der Regel braucht man jedoch irgendwo mal doch mehr und dann geht eben das Gefrickel los. Kann man sich ähnlich vorstellen wie damals bei Ubuntu als Automatix noch eine zwingende Notwendigkeit war.

    http://www.fedorafaq.org/f8/

    Das hier hilft den meisten Einsteigern weiter, Arbeit bleibt es dennoch.

    und das ist bei Fedora der Grund,

    http://fedoraproject.org/wiki/ForbiddenItems

  • Kann Fedora mittlerweile wieder Samba mounten?

  • @Oliver: Freiheit ist auch die Freiheit anders denkender und die sind auch der Grund für den Erfolg von Ubuntu.

    @martin:

    [root@walldorf ~]# mount
    //statler/stuff on /media/test type cifs (rw,mand)
  • jan:

    @martin konnte es das irgendwann mal nicht?

  • jan:

    Eine frage: funktionieren bei dir die gstreamer-pakete aus livna? ich habe hier das problem dass mich der mist-codec-buddy (insofern unterstütze ich dein urteil), ohne ende nervt dass ich codecs installieren soll – die entsprechenden livna pakate habe ich aber längst installiert (trotzdem funktioniert nahezu keine video-ausgabe).

  • Jan: Ich habe mich Anfang des Jahres ein paar Wochen lang mit einer Interims-Workstation unter Fedora herumgeschlagen, die konnte kein smbfs. Ob die cifs konnte? Keine Ahnung, wahrscheinlich schon. Aber wie soll ich als nicht-Windows-Experte denn auf so eine Idee kommen?

  • @Joern
    Freut mich nen ehrlichen Beitrag zu sehen. :)

    @martin
    Solche Sachen findest du bei Fedora in den Release Notes.
    Stand bei F7 im übrigen auch drin. Die Release Notes solltest du auch als Link im Firefox sehen.

  • @Stefan: Man muss halt hin und wieder nach links und rechts gucken und auch die eigene Einstellung hinterfragen, sonst wird man ein alter, griesgrämiger Zausel, der den Annschluß verliert.

  • Stefan: Ich mache das jetzt seit über 10 Jahren und ich schwöre Dir, ich habe noch nie die Release-Notes einer Linux-Distribution gelesen. Aber vielleicht gebe ich Fedora mit dem neu gewonnenen und damals nicht ergoogelbaren Wissen, daß man cifs statt smbfs nehmen kann, ja irgendwann nochmal eine Chance.

  • jan:

    nur ein kleiner nachtrag, smbfs ist doch seit ewigkeiten unmaintained und sollte auf keinen fall verwendet werden oder? (steht jedenfalls in vielen büchern zu samba)

  • @jan: ‘auf keinen fall’ ist etwas übertrieben, aber alle aktuellen Windows-Produkte sprechen CIFS, dann sollte man es auch benutzen.

  • Ich für meinen Teil habe in diesem Blog-Posting zum ersten mal etwas von cifs (dem Filesystem unter Linux), gehört. Voher hätte ich geschworen, daß CIFS (das Protokoll) ausschließlich per smbfs gemountet wird. Vielleicht probiere ich das mit dem cifs in der fstab vielleicht heute mal aus. Tut mir wirklich aufrichtig leid, daß ich im Gegensatz zu euch kein solcher Windows-Guru bin. :-]

  • @martin: Du treibst Dich halt zu oft in schlechter Gesellschaft (=Mac OS) rum ;-)

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