Ich bin über einen Artikel gestossen, der 7 Reasons Why BSD Is Better than Linux heisst. Mal ganz ab von den Unrichtigkeiten, feinen Auslassungen und der (bewußten) Unschärfe mancher Aussagen, die Stoff für einen wunderbaren Flame- und OS-War liefern könnte, stellt sich mir eine Frage: Selbst wenn BSD besser als Linux wäre, was hat es dadurch gewonnen? Genauso bei (Open)Solaris, dem ‘World’s Most Advanced OS’, das bestimmt gewisse Vorteile hat, muss man doch sagen, das beide dort sind wo sie sind, weil die Benutzer es so wollen. Nicht weil BSD dies besser kann oder Solaris jenes. Linux war nie gut darin, einen Unique-Selling-Point zu haben und diesen zu verkaufen, ausser das es, trotz wachsenden Einfluss von Firmen, ein Grassroot-OS geblieben ist. Technische Bestleitungen mögen zwar manchmal den Ausschlag geben für eine kurze Liebschaft, aber letztlich spielt das auf lange Sicht keine wirkliche Rolle. Mir reicht es, das Linux tut, was ich von ihm erwarte, darin ist es für mich ungeschlagen.
Ooooooch, Spielverderber. Vi oder Vim? Vi(m) oder Emacs? Ha!
Was die Benutzer wollen? Was die Masse möchte, ganz allgemein, war natürlich selbstredend immer das Beste ;-) Die Beispiele sind Legion, die eben das Gegenteil belegen. Da muß man sich schon ein besseres Argument bzw. überhaupt eines mit Gehalt einfallen lassen. Davon abgesehen hat der “Artikel” dort ebenso wenig Gehalt – war also passend. Nein für einen flamewar brauchts schon mehr, jedenfalls kannte man noch in der guten alten Zeite flamewars mit Niveau :D
Bevor ich es vergesse: Absicht, dass der Link zum Artikel auf die zweite Seite des Artikels verweist?
Dann steht ein Fehler ja schon in der Überschrift: “… das Beste …”. Was ist denn das Beste? Das ist für jeden etwas anderes. Und damit ist man schon beim Kern der Sache: *BSD ist vielleicht für manche das Beste, und für die ist es dann halt auch das Beste, genauso wie für manche Linux das Beste ist. Da gibt es keine allgemeingültige Meßmethode, und damit ist die Frage schon hinfällig.
Das der verlinkte Artikel im Detail angreifbar ist, braucht man wohl kaum erwähnen. Linux gibt es in so vielen Abwandlungen (Distributionen), dass man hohe Chancen hat, ein für sich passendes, ein für sich “Bestes” zu finden. Bei BSD ist die Auswahl nicht so hoch, was auch sein Gutes hat. Aber halt nicht nur. Einige der erwähnten Punkte lassen sich z. B. mit ArchLinux widerlegen. Es wird wahrscheinlich kein Linux geben, was die gleichen Eigenschaften wie ein *BSD aufweist, aber na und? Wer exakt das Feature-Set von einem *BSD braucht, der nimmt es halt, wer etwas anderes braucht, findet es vielleicht bei Linux. Oder noch woanders, wer weiß.
Der ganze Zweck von Artikeln nach dem Muster “Warum X besser ist als Y”, ist doch nur, Klicks auf die Seite zu ziehen.
Unabhängig vom jeweiligen Bedarf, der für die Wahl eines spezifischen OS eine maßgebliche Rolle spielt, dürfte auch die Masse seiner Nutzer einen gewichtigen Faktor darstellen.
Übertrieben ausgedrückt: Was nützen mir 10 Cracks, die ein Uber-OS bis ins letzte Bit hinein kennen, wenn sie mir auf die Schilderung eines individuellen Problems hin keinen Lösungsvorschlag unterbreiten können (oder wollen), wohingegen ich bei einem anderes OS lediglich eine Suchmaschine anwerfen muß, um multiple Lösungswege auf dem Silbertablett präsentiert zu bekommen. Frei erhältlicher Community-Support ist ausschlaggebendes Argument bei meiner Wahl, denn auf der Betriebsystemebene kommt es im Fehlerfall auf schnelle Reaktion und Abhilfe an.