Gibt es die IT 2.0?

Ich habe jeden Tag mit IT zu tun. Planung, Bau, Betrieb. Eigentlich müßte ich mich bei der Computerwoche zuhause fühlen, aber irgendwie ist die Welt dort sehr fremd und unwirklich für mich. Kaum etwas davon, das sich für mich die IT weg vom Intranet zum Internet entwickelt. Man lebt dort in von großen Firewalls umzäunten Zoos mit dicken Storage-Systemen, monolithischen Architekturen und frönt mit ITIL (das eigentlich keine schlechte Idee ist) der Verbeamtung der IT.

Diese ‘klassische’ IT ist für mich gefangen in alten Technologien, hat mit dem wie zum Beispiel Internet-Startups arbeiten wenig zu tun, obwohl sie meiner Meinung nach sehr viel von denen lernen könnten. Diese Startups schöpfen aus Mangel an Geld aus einer Kreativtät, welche die klassische IT schon lange durch das Outsourcen des Denken an Dritte (Berater, Analysten) und Angst vor Fehlern verloren hat. Kreativität bedeutet immer Mut zum Risiko zu haben, Dinge zu testen, Ideen zu verwerfen oder auszubauen. Alles fast Unwörter in einer Zeit wo selbst Kommentare im Source-Code durch das Qualitäts-Management müssen. Dabei ist Fehlertoleranz ein Thema, das seit Jahren verschlafen wird.

Manche IT-Abteilungen sehen sich sogar nur noch als Steuerungs-Instanz, die anderen sagt was sie zu tun haben. IT ist ein großer Wertschöpfungs-Faktor und sollte damit Kern-Kompetenz einer jeden Firma sein die Computer benötigt, um Geschäfte zu machen. Für mich kein Wunder wenn man so auf Dauer in der Bedeutungslosigkeit versinkt.

10 Kommentare zu „Gibt es die IT 2.0?“

  • Dem kann ich nur beipflichten. Das “Outsourcen des Denkens an Berater” hat mir gut gefallen. Aber auch Startups haben das mit-Beratern-sind-wir-professionell Virus. Manche Geschäftsführer von Startups verlassen sich mehr auf Berater, als auf ihre eigene Kernkompetenz. Kommt teilweise davon, dass Investoren total beeindruckt sind, wenn man Berater befragt, weil sie das ja selber auch tun würden. Führt das wir-investieren-ins-Team ad absurdum, aber wer fragt schon nach Logik.

  • Das Problem ist mE nach wie vor der Umstand, dass das System schon enorm eingeschliffen ist. Kaum jemand entwickelt die Fantasie das es eben tatsächlich auch anders ginge, wie auch immer dieses Anders aussieht bzw. in welcher Form es einher kommt. Zusätzlich existiert natürlich noch das sog. Karriereproblem der Protagonisten selbst. Stellen wir uns doch mal eine Gruppe sehr talentierter IT-Schaffender vor, welche neue Wege wagt, geht. Die im Artikel bezeichneten Risiken sind doch von lediglich diesen Personen nicht wirklich zu kompensieren.

    Neue Wege brauchen wir? Sicher. Aber vorher brauchen wir die verbreitete Erkenntnis, dass wir über die Beschreitung dieser tatsächlich zu diskutieren haben.

    Doch selbst dies liegt noch in weiter Ferne…

  • @Heiner Wolf
    Das “Outsourcen des Denkens an Berater” ist ja kein IT spezifisches Problem, sondern zieht sich durch alle Management-Ebenen.

  • randolf:

    Schuster bleib bei deinen Leisten. Internet-Startups als Vorbild für IT 2.0? Nun dann könnte ich dir auch “morgen” zurufen “Willkommen bei Hartz4″. Deine Analyse wird wohl stimmen, nur eben die Lösung ist ein Griff ins …. man kann eben nie Äpfel mit Birnen wirklich vergleichen. Die Startups arbeiten auf Zeit in die PLeite hinein und heucheln Kreativität beim unbedarften Publikum. Drücken wir es mal so aus: IT ist teils zu konservativ, die Startups mehr Blase denn geträumte Erfolgsstory.

  • IT 2.0 ich weiss nicht allerdings wenn ich meinen Kundenkreis so einsehe dann frage ich mich bei manchen schon wiesooooo die überhaupt externe brauchen. Ok das ernährt mich natürlich, aber teilweise (nicht bei allen) sitzt so viel Kompetenz, Wissen und Erfahrung im Haus, dass die das gar nicht brauchen und Du dich fragst, wobei soll ich denen eigentlich helfen?

    Ok ich bin kein Consultant, habe daher auch nicht das Consulting Denken. Sondern unterstütze diese remote um den laufenden Betrieb aufrecht zu erhalten, ab und zu mal löschen wenn der Baum brennt, oder ähnliches.

    Wobei es natürlich auch Kunden gibt die wirklich keinen Plan haben und uns wirklich brauchen, dafür natürlich auch ausgenommen werden wie eine Weihnachtsgans, wenn meine Kollegen und ich nur den Stift in die Hand nehmen. Aber wie oben schon erwähnt, es gibt wirklich extrem kompetente Leute, da fragst Du dich schon manchmal selbst, was zum Geier soll ich an deren E25k oder M5000 besser machen können als sie selbst?

    Eine komische Welt ist das und billiger ist Outsourcing langfristig gesehen sicher nicht. Das kann ich mir nicht vorstellen.

    Das einzige was ich mir vorstellen könnte, ist das man im Zweifelsfall den “Dienstleister” verklagen kann wenn mal wirklich was richtig in die Hosen geht.

  • F2:

    Ich bin ganz bei Dir. Ich komme auch aus Bremen, arbeite in der IT, und bin zum Wir sourcen-out Du bist jetzt ein “Steuerer” des Dienstleisters… Seit dem mach IT in unserem Unternehmen keinen Spass mehr. Nenn mich Kindergärtner! Das trifft es besser, wenn man plötzlich dem “Berater” trotzdem noch erklären muss, wie die Welt tickt.

    *snief*

  • @randolf
    Du verwechselt da etwas. Nur weil man kein Geschäftsmodell hat (Facebook) heisst das nicht, das die IT schlecht ist. Natürlich gibt es auch viel Blödsinn und Fahrlässigkeiten, aber wenn man mal nachliest wie die IT von Google oder Amazon tickt, dann sehen viele Firmen sehr, sehr alt dagegen aus.

  • @Joern

    Na ich denke man kann Google nicht mit dem Rest der Start Ups vergleichen.

    Die sind aus den Startup Flegeljahren längst herausgewachsen, dass ist auch ein ausgewachsener Konzern. Aber es stimmt in soweit schon, die sind sehr innovativ und haben die Chance genutzt was ganz eigenes aus dem Boden zu stampfen. Auch die Projekte wie z.B. Ganetti Cluster Software von denen finde ich sehr interessant. Ob man sie mag oder nicht, aber sie haben Neuland betreten.

  • @Solarix
    Natürlich kann man Google nicht mit jetzigen Startups vergeleich, aber sie waren schließlich auch mal eines und mußten sie Mittel und Wege suchen, das enorme Wachstum zu stemmen. Sie waren kreativ, erfolgreich und haben selbstständig einen ganz eigenen Weg gefunden, anstatt wie Lemminge den HypeCycle in Bullshit-Bingo abzubilden.

  • @ Joern

    Keine Frage, ich geb Dir recht. Aber es ist eben wie überall auf einen Gewinner kommen 20 Millionen Loser. Das ist in der IT eben wie im normalen Leben auch.

    Was den Hype Cycle angeht, jeder der irgendwie den Anschluss verloren hat oder nicht auf seine eigenen Produkte vertraut, darunter auch ein paar Grosse die schon länger im Geschäft sind, hecheln diesem hinterher. Allein das aktuelle Thema Cloud Computing geht mir so dermassen auf die Nerven. IMHO ist das auch nur Bullshit Bingo und nichts wirklich neues. Aber die üblichen Verdächtigen, hecheln diesem Modewort aus dem Marketing hinterher. Obwohl es schon seit Jahrn Lösungen dieser Art gibt. Früher nannte man das mal Grid Computing und ist im Prinzip ein alter Schuh.

    Wenn ich nur an meinen Brötchengeber denke, dort hat man auch den Fokus verloren und verzettelt sich. :-(

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