Linux oder Solaris?

In den Kommentaren zu Ächtz bin ich gebeten worden mich zu erklären, warum ich Solaris in manchen Punkten für besser als Linux halte und wann ich Solaris einsetzen würde.

Nun, am einfachsten ist die Erklärung wann ich Solaris nicht einsetzen würde, dazu zählt zum Beispiel wenn man viel forkt. Die initiale Erklärung die ich dafür hatte war, das Solaris beim Fork wirklich den gesamten Adressraum kopiert, während Linux via Copy-on-Write nur Teile kopieren muss. Solaris soll (einen offziellen Link dazu habe ich nicht gefunden) mittlerweile auch Copy-on-Write einsetzen, aber geändert hat sich dadurch für mich nichts. Richtig schlimm macht sich das auf CMT-Maschinen bemerkbar, daher immer zu Pre-Fork Modellen greifen. Ein anderes düsteres Thema ist halbwegs aktuelle Software unter Solaris (ich rede hier nicht von OpenSolaris). Die Companion-CD und auch die Grundinstallation enthalten gut abgehangene Software, aber der Umfang ist doch sehr bescheiden. Es gibt zwar Projekte wie Blastwave, OpenCSW oder OpenPkg, aber die können wirklich nur die allergrößten Schmerzen lindern. Ich möchte die Arbeit der wenigen Leute nicht schmälern, aber von Packaging-Standards und -Funktionalitäten wie im Linux-Bereich sind sie weit entfernt.

Hat man keine Probleme mit obigen kann man Solaris ruhigen Gewissens einsetzen. Das ist wie früher Mercedes E-Klasse fahren, eine sichere Wahl und einmal am Laufen durch nichts aufzuhalten. Klar im Vorteil gegenüber Linux ist Solaris in anderen Gebieten.

Langzeitstabilität zum Beispiel. Software, ja selbst Kernel-Treiber die auf Solaris 2.8 funktionieren laufen auch unter Solaris 10. Das Volume-Management mit SDS und Software-RAID macht unter Solaris Spaß. Mir gehen die Nackenhaare hoch beim Gedanken an LVM und MD-Raid, die mit ihren Kommando-Zeilen Orgien einen zur Verzweifelung bringen können. Unter Solaris sind das nur ein paar Befehle, von ZFS mal ganz zu Schweigen. Genauso sieht es bei IPfilter versus IPTables aus. Keine Ahnung wer mehr kann, dafür sind IPF-Regelwerke imho einfacher zu lesen. Insgesamt setzt Solaris nicht auf ellenlange Konfigurations-Dateien, sondern auf Tools mit denen man Dienste via Kommando-Zeile konfiguriert. Mal ein Beispiel:

# dhtadm -M -m 188.25.62.0 -e 'LeaseTim=57600'

Das setzt die DHCP-Leasetime für einen IP-Bereich unter Solaris. Beim ISC-DHCPD (Ok, nicht Linux-Spezifisch, aber ich will nur das Prinzip erklären) müßte man die Konfigurations-Datei parsen, was nicht gerade trivial ist. Diese Tools unter Solaris machen das Scripten aus meiner Sicht sehr viel einfacher.

Ein anderes Beispiel hatte ich ja bereits angesprochen, die Installation. Das Jumpstart Enterprise Toolkit zur Installation von Solaris ist wirklich eine tolle Sache. Ich denke FAI könnte unter Linux da noch am ehesten herankommen, während Redhats Kickstart noch letztes Jahrtausend ist.

Alles im allem ist es, wie so oft, eine Frage der eigenen Präferenzen. Leute mit BSD-Hintergrund werden sich eher in Solaris zurechtfinden und es zu schätzen Wissen. Wer mit Linux aufgewachsen ist, wird Zeit und Geduld investieren müssen. Viele Dinge sind einfach anders und wenn es nur Details sind. Aber aus meiner Sicht lohnt es sich, sich mit beiden zu beschäftigen, denn es erweitert den Horizont und zwingt zu genaueren, bewußteren Arbeiten.

10 Kommentare zu „Linux oder Solaris?“

  • Der Solaris Cluster ist auch ein gutes Plus fuer Solaris.

  • Marc:

    Schau dir mal folgendes an:

    - LVM ist kinderleicht verglichen mit dem Solaris Volume Manager
    (Physical Volumes erstellen, dann zusammenfassen in einer Volume Group, dann auf VolumeGroup Logical Volumes erstellen….
    keine Seltsamkeiten wie Metadevices…)
    - Raid mit MDADM ist ebenfalls echt leicht.
    (mdadm -C /dev/md2 –level=raid1 –raid-devices=2 /dev/hda4 /dev/hdc4 und dann in die /etc/mdadm/mdadm.conf
    eintragen)
    - Redhat Network und Novell Zenworks
    (damit kann man nicht nur Systeme via Kickstart und Autoyast installieren, sondern
    auch Software/Upgrades zentral managen)
    - Der Linux CFQ Scheduler bzw den IO-Scheduler
    - Virtualisierung mit KVm und XEN
    (Shared Kernel Bastelösungen wie Solaris Zones gibts aber auch…)
    - BTRFS vs. ZFS, in 2.6.30 wird das als

  • @Marc
    Du redest von PV, VG sowie LV von LVM und findest ein Metadevice seltsam? Das findet ich seltsam. Die Einrichtung von LVM und MD-Raid mögen ja noch gehen, aber Veränderungen tun echt weh. RHN ist eine reine Zumutung, XEN/KVM bessere Bastellösungen und BTRFS unstable.

  • Sil53r Surf3r:

    @Marc Als langjähriger Debianer bin ich – trotzdem – eher geneigt, mich Jörns Meinung anzuschließen. Vernünftiges Storage-Management unter Linux muß mir erst noch demonstriert werden. Booten von LVM-Partitionen auf iSCSI-Targets unter dem vorigen Release war zum Beispiel ein lustiges Spiel mit mehreren Leveln. Die erste Kernelversion des jetzigen Debian stable war auf VMware ESX schlicht kaputt. Und man muß nur mal in einige Ubuntu-Pakete hineinschauen, um zu wissen, daß man sowas nicht auf seinen Servern haben will.
    Alles Gründe, zumindest in kritischen Bereichen auf eine langzeitstabile und -kompatible Alternative zu setzen.

    Als Admin bin ich konservativ. Zuerst kommt Systemstabilität. Dann Handhabbar- und Wartbarkeit. Und ganz zum Schluß erst Performance, sofern sie sich nicht bereits automagisch aus den ersten beiden ergibt.

  • Anonymous:

    @Marc: Ich weiss das ich nicht unparteiisch bin, aber ….

    … ist der SVM auch kinderleicht zu bedienen … wenn ich mal deine Kommandozeile zur Grundlage nehme, die du postet. Im Vergleich zu ZFS ist das Steinzeit. Das wird uebrigens bei brtfs nicht besser. Es wird nur gekapselt.
    … brtfs ist Jahre von der Primetime entfernt.
    … kvm ist aus meiner Sicht auch noch jahre von der Primetime entfernt.
    … xen ist besser, aber vielfach auch noch nicht ausgegoren.
    … das Scheduler-Konzept von Solaris ist doch erheblich ausgewogener, sowohl was Prozess als auch I/O-Scheduling angeht. Zudem kann ich mehrere Modelle parallel fahren. Und nur weil es das dort gibt, heisst es noch nicht, das das ganze qualitativ der Implementation bei Solaris entspricht …
    … Zonen sind keine SharedOS Bastelloesung. Gibt es schon seit 2005 und ist ausgegoren. Die Herausforderung “Zonenpatching” wird gerade geloest. Ich halte das sogar fuer die bessere Alternative. Nur ein Kernel hat seine Vorteile. Weniger Overhead, sehr viel weniger overhead. Und beispielsweise sowas wie eine exakte Uhrzeit in den virtualisierten Umgebungen ;)

  • Erfahrungen zwischen Linux und (open)Solaris:

    Wir sind gerade beim Umstieg von Linux auf Solaris, weil gerade im Storage und Virtualisierungsbereich OSOL um welten besser und schneller arbeitet. ZFS war für uns der erste Entscheidungsgrund, und erst im Laufe der Portierung sind wir draufgekommen welche Möglichkeiten wir da noch so haben, wovon wir früher teilweise nur geträumt haben.

    Das beginnt schon bei einem lästigen – /bin/bash/rm argument list too long …

    Das gibts unter Opensolaris einfach nicht…

    just my 2 cents….

  • Danke Jörn für die Zusammenfassung. Jetzt habe ich ein klareres Bild. Mich stört das Volume-Managment von Linux ebenfalls und die Stabilität lässt so manche Wünsche offen. Dafür schätze ich die Flexibilität, die ich unter Linux genieße. Es gibt nahezu alles, was das Herz begehrt. Dies ist aber auch verständlich, behält man das breite Spektrum im Kopf, für das Linux sich mittlerweile zuständig fühlt.

    Wäre noch die abschließende Frage: Welches Buch würdest du _persöhnlich_ für (Open)Solaris empfehlen? Den Kommentaren von Amazon traue ich in dieser Hinsicht nicht über den Weg.

  • Marco:

    Ich bin zwar nicht Joern, aber die OpenSolaris Bible habe ich da und bin damit als Solaris Neuling sehr zufrieden.

  • Ich hatte und habe mit beiden Welten zu tun, beide haben ihre Vorteile und in beiden arbeite ich gerne. Aber wenn es wie schon mehrere Vorredner erwähnt haben um Storedge Management geht, ist mir Solaris zehn mal lieber. Linux ist vom Komfort eines SVM oder ZFS Lichtjahre entfernt, vom Fremdprodukt Veritas Filesystem und Volumemanager ganz zu schweigen.

    Was die Clusterfähigkeiten angeht ist Solaris Linux auch Lichtjahre voraus. Gerade wenn man von Flying Zones im Sun Cluster redet oder sich mit Oracle befasst kommt man um Solaris meiner Meinung nach nicht herum. Wir hatten gerade die Diskussion im Haus das ein Kunde Oracle mit aller Gewalt auf Linux laufen lassen will, dem Kunden wünsche ich viel Spass….

    Stabile Treiber und API’s nicht zu vergessen.

    Die Flexibilität von Linux und die Anzahl der Softwarepakete ist natuerlich der Vorteil schlecht hin und als Arbeitsplatzsystem möchte ich es nicht missen. Solaris wird noch Äonen brauchen um an aktuelle Linuxdistributionen heran zu kommen.

    IMHO haben beide ihre Berechtigungen Solaris für große Eisen und HA. Linux für Butterbrot.

  • @Denny
    ich würde Dir das Buch OpenSolaris für Anwender, Administratoren und Rechenzentren:
    empfehlen.

    Autoren: Tatjana Heusser, Joerg Schilling und Rolf Dietze. Das Buch bietet eine vernünftige Fülle an Informationen, insbesondere der SVM wird schön ausgebreitet, auch ZFS und Zonen kommen nicht zu kurz. Das Bucht hat zwar einige Rechtschreibfehler, und man merkt das die Autoren teilweise einen unterschiedlichen Schreibstil an den Tag legen. Das tut dem Informationsgehalt aber keinen Abbruch.
    Anhand von praktischen Beispielen wird Solaris gut auseinandergeblättert.
    Aus meiner Sicht ist das seit Thomas Handschuchs Solaris 7 Wälzer das erste richtige Referenzwerk.

    Als Solaris 10 Referenz fast unverzichtbar. Der Titel Opensolaris täuscht etwas.

    Ansonsten habe ich einige angelesen wie das Solaris 10 / The Complete Reference, dieses Werk ist aber inhaltlich eine Katastrophe.
    Fehlerhafte Beispiele und Falschinformationen das einem das kalte Grausen kommt. Der Sun Certified System Administrator for Solaris 10 Study Guide taugt auch gerade mal zum Brennmaterial.

    Das beste ist immer noch sich an docs.sun.com zu halten. ;)

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