Sysadmins haben in der Regel ein inniges Verhältnis zu den von ihnen betreuten Systemen. Mehr noch, sie haben einen gewissen Anspruch an ihre Arbeit, der sich oft auch in den Umgang mit Daten fremder Leute niederschlägt.
Nur wie weit geht dieser Anspruch und wo hört er auf? Ein schönes Dilemma kann man hier nachlesen. Kurz: Jemand in einer Softwarefirma für Arztsoftware manipuliert den Terminplan eines Arztes und rettet so (laut eigener Aussage) seiner Mutter das Leben. Ist so etwas vertretbar oder geht gar nicht?
Ich möchte und kann über den Fall hier nicht urteilen. Meine persönliche Erfahrung zeigt mir, dass Sysadmin überwiegend in zwei unterschiedliche Fraktionen eingeteilt werden können. Die einen, die beim Umgang mit persönlichen Daten sich überhaupt nichts denken und damit umgehen, als gäbe es kein morgen mehr und dann noch das genaue Gegenteil. Also die so aufpassen, dass sie sich selbst ihm weg stehen. Ich kann dies nicht tun, wegen Datenschutz und das auch nicht und eine Email kann ich nicht schicken, weil zu unsicher, etc.
So sind nicht alle Sysadmins. Aber ich habe schon das Gefühl, dass viele sich für eine der beiden Extreme entscheiden…
Eine sehr spannende Frage, ich kann leider nicht genau sagen wie ich in einem solchen Fall gehandelt hätte.
Einerseits ist es die eigene Mutter, andererseits ist in Kundendaten manipulieren ein No-go.
Vielleicht hätte ich versucht als Dienstleister dort anzurufen und so über “Vitamin B” einen Termin zu bekommen.
Schoene Geschichte. Aber IMHO eben auch nur das.
Um das Gedankenexperiment mitzuspielen: So ein Handeln kann allenfalls (durchaus) nachvollziehbar aber nicht vertretbar sein. Im naechsten Schritt koennte man als Admin anfangen z.B. Mails mit Angeboten eines Grosskonzerns zurueckzuhalten, weil ein kleinerer Mitbewerber in Konkurs gehen muesste, wenn er den Auftrag, um den sich beide bewerben, nicht bekommt. Damit koennte ich vielleicht mehrere Arbeiter und deren Familien (vielleicht sogar jemanden aus meiner Familie) vor einer schweren finanziellen Notlage und Schlimmerem bewahren. Super, waer aber ebensowenig vertretbar.
Wir sind zwar root, aber eben nicht Gott. Und auch nicht Robin Hood :)
ich sehe es ähnlich wie jens, bin selber auch seh vorsichtig im umgang mit ‘kundendaten’.
das manipulieren muss arbeitsrechtliche konsenquenzen haben, aber das ‘vitamin b’ ausnutzen für einen termin wäre nur menschlich gewesen.
Das geht gar nicht. Grundsätzlich nicht. Punkt. Ein Admin, der die ihm anvertrauten Daten zur Erlangung persönlicher Vorteile manipuliert, verstösst nicht nur gegen geltendes Recht, sondern auch gegen moralische und ethische Grundsätze.
Wie problematisch solches Verhalten ist, wurde hier bereits angedeutet. Besonders in einem derart sensiblen Bereich ist die beschriebene Vorgehensweise kritisch. Allenfalls wären der schon erwähnte Telefonanruf oder eine persönliche Vorsprache akzeptabel gewesen.
Ob man sich selbst in gleicher Lage ähnlich verhalten würde, ist eine vollkommen andere Fragestellung. Sie lässt sich mit letzter Gewißheit wohl erst dann beantworten, wenn man unmittelbar mit einer Entscheidung von solcher Tragweite konfrontiert ist.
Die meisten Ärzte die ich kenne nutzen noch Terminkalender aus Papier in denen die Termine eingetragen werden.
Aber der “beste Radiologe” mit den “besten Geräten” nutzt so was sicher nicht.
Leider hat er vergessen zu erwähnen, dass er auch noch eine Überweisung manipuliert haben muss, oder kann man sich einfach so beim Radiologen zum checkup vorstellen *g*