Mit dem Einzug des Kommerzes bei Linux trifft man im immer stärkeren Masse auch auf die Strategien, die man sonst nur aus anderen Bereichen kannte. Eine sehr erfolgreiche ist die Cover-Your-Ass Strategie und bedeutet nicht anderes, als das man immer jemanden hat, auf den man zeigen kann, wenn es Probleme gibt. Folgendes Beispiel:
Das Backup läuft nicht und der Chef will von seinem Mitarbeiter wissen warum nicht. Der Mitarbeiter erzählt, das das Backup-Programm mitten in der Sicherung abstürzen würde und er sich nicht erklären könnte warum. Er hätte schon die Support-Datenbank des Herstellers durchsucht, ein paar Patche eingespielt, aber geändert hätte sich nichts. Als nächstes könnte er nun versuchen von extern Hilfe zu bekommen. Der Hersteller der Software will pro Frage soundsoviel Euro haben, die dem Kunden natürlich vergütet werden, wenn sich ein Bug findet. Man entscheidet sich also dies zu tun und so wird beim Hersteller ein Call aufgemacht. Nach einigen Hinundher stellt sich heraus, auf dem Server auch noch andere Software installiert wäre und der Hersteller weist darauf hin das in irgendwelchen Support-Unterlagen steht, das dieses nicht sein darf. Die Konfiguration ist also vom Hersteller NOT-Supported und damit der Call geschlossen, der Kunde allein gelassen mit seinem Problem.
Was sich für manche wie ein Witz liest ist harte Realität, tagtäglich erlebt. Jeder in diesem Spiel versucht sich herauszuwinden aus der Verantwortung die er trägt. Chef an den Mitarbeiter, Mitarbeiter an den Hersteller der Software und der wieder zurück. Am Ende hat sich nichts geändert, das Problem ist immer noch da und das obwohl man viel Geld für Software und Support-Vertrag bezahlt hat.
Bei Linux war es bisher etwas anders. Wenn etwas nicht lief, schrieb man entweder einen Bugreport in das zuständige System oder den Programmierer selbst an. Zusammen hat man dann meist das Problem gelöst oder wenn nichts in der Art Hilfe versprach, hat man sich einen bekannten Programmierer oder Studenten geschnappt und den darauf angesetzt. Das klingt zwar alles recht Naiv, funktioniert(e) aber wunderbar – auch dank Open-Source.
Mit dem Einzug proprietärer Software in Linux ändert sich auch das wieder. Bestimmte Software läuft nur auf bestimmten Distributionen mit bestimmten Patchen, ansonsten ist es nicht Supported. Die Verantwortung wird also wieder delegiert und so lange herumgereicht bis letztlich keiner mehr Zuständig ist, nur mit der Schulter gezuckt wird und mit einem ‘So ist das nunmal’ zur Tagesordnung übergegangen wird.
So wird man in Zukunft also ein Desktop-Linux für X Euro pro Arbeitsplatz kaufen und den dazugehörigen Enterprise Server, dessen Wartung pro Jahr bezahlt werden muss, einsetzen. Wenn man Probleme hat geht das Spiel von vorne los, nur mit einem anderen OS.
Klar, geht es auch anders, aber das hiesse auch für viele Verantwortung zu übernehmen und selbst eine Strategie zu entwickeln wie man mit Software und dessen Fehlern im Unternehmen umgeht. Das ist aber mit Arbeit verbunden und das Delegieren von Problemen ist doch so einfach…