Wenn ich so durch den Bloggerwald streife habe ich oft das Gefühl ein Deja vu zu haben und ein paar Jahre zurück mitten im Dotcom-Hype zu sein. Viele aufgeregte Stimme reden vom ‘nächsten grossen Ding’ und überlegen wie man damit Geld machen kann. Es sei ihnen alle gegönnt, aber ist dem wirklich so?
Im Dotcom-Hype wurde viel Unsinn erzählt, z.B. das das Internet irgendwann das Fernsehen ablösen würde, was natürlich Blösinn ist da Fernsehen so herrlich passiv ist und man sich auf einfachste Weise berieseln lassen kann – eine Taste auf der Fernbedienung reicht, da kann das Web noch lange nicht mithalten. Dagegen ist Internet harte Arbeit die mit viel Lesen, verstehen und Sitzfleisch verbunden ist. Das Multimediale ist man uns bis heute schuldig geblieben, wenn man einmal von ein paar Flashfilmchen absieht. Avatare und wie sie nicht alle hiessen – Tod. Warum? Weil es keinen wirklichen Nutzwert hatte. Ebay – das hat was. Da kann ich meinen alten Krempel für viel Geld unter die Leute bringen. Amazon – eigentlich hasse ich den Laden wegen ihrer mehr als fragwürdigen Patent-Politik, aber seien wir doch mal ehrlich, wenn das bestellte Buch am nächsten Mogern im Briefkasten liegt freut man sich doch ein Loch in den Bauch. Schlecker – Super! Nie mehr Katzenfutter und Drogerie-Artikel schleppen. Das hat alles was.
Und Bloggen?
Irgendwie erinnert mich das ganze an die Zeiten wo man seine erste Homepage bei Geocities hatte und diese seinen Nachbarn und Freunden zeigte. War eine Höllenarbeit dieses ganze HTML-Geraffel und Feedback über Gästebücher kam selten. Durchs Bloggen ist das alles viel schneller geworden. Man braucht sich die, zumeist sehr liebevoll, gestalteten Seiten garnicht mehr anzuschauen – der RSS-Feed liefert schon die Inhalte. Durch Trackbacks und Pings webt man schnell ein Netz aus Meinungen, Gegenmeinungen, Lob und Tadel. Ein Meer von Stimmen erhebt sich und will nicht enden. Und wie soll man sich nun die Kommerzialisierung des Blogs vorstellen?
Für John Doe stellt sich ein Blog ersteinmal wie eine normale Webseite dar, Konzepte wie Feeds, Pings und Trackbacks sind ihm fremd. Wichtig ist, das lernt man in der 1.Klasse der Internet-Schule, der Inhalt. Wo soll der herkommen? Newsseiten gibt es wie Sand am Meer, die Verlinkung macht die Nachrichten nicht intressanter. Dafür Geld bezahlen? No way. Blogs werden von Persönlichkeiten getragen, die meist auch für einen gewissen Lebensstil und Meinung stehen. Gibt es für mich eine Zielgruppe? Spannende Idee. Schaut man sich die ‘grossen’ deutschen Blogs ITW und Kantel Daily News (Mein Respekt!) an, ähneln sie eher Nachrichten-Seiten, wenn auch teilweise mit News weitab von jedwedem Mainstream und die sich die Freiheit nehmen den eigenen Senf dazuzugeben. Dirty Harry schaut man ja auch nicht um sich die Nachrichten nochmal vorlesen zu lassen, sondern wegen der Kommentare. Man stelle sich ein Blog ohne solch eine Persönlichkeit vor (Gibt es eigentlich Blogs mit echten Redaktionsteam?). Eine leblose Seite so spannend wie Focus.de und kostenpflichtigen RSS-Feed.
Sich einfach eine beliebige CMS schnappen und dann auf Blog machen wird nicht funktionieren. Also wo ist das Geschäfts-Konzept das als Alleinstelleungsmerkmal das Bloggen hat, ausser es anderen Leute zu ermöglichen a la blogger.com oder Service-Leistungen wie Feedster oder Blogrolling?
Ich sehe keines. Sicher wird die Kommerzialisierung kommen, mit Feed-Advertising und RSS-Spam. Viele werden den Begriff Blog aufnehmen und uns solange um die Ohren hauen bis es im nächsten Bullshit-Bingo steht. Aber hat das wirklich was mit Bloggen zu tun, wenn man nur Verstatzstücke verrührt?
Bloggen ist für mich Evolution, nicht Revolution. Endlich kann ich meine eigene Homepage (auch wenn einige diese Wort sicher nicht hören wollen) pflegen ohne jedesmal an vi, Homesite oder Selfhtml zu verzweifeln. Bloggen demnächst auch auf Geocities – bestimmt.
So, genug gelabert.