Beim Astaro Security Gateway 220 (ASG220) handelt es sich um eine Hardware-Aplliance, auf der das hauseigene Astaro Security Linux (ASL) installiert ist. Die Appliance ist mit 19-Zoll 1HE und einer Tiefe von ca. 30cm nicht sonderlich gross. Auf der Front sieht man zunächst acht(!) 10/100Mbit-Interfaces und ein zweizeiliges LC-Display, während es auf der Rückseite einen Stromstecker, Ein-Aus Schalter und eine Schublade für die Festplatte (2,5 Zoll) zu sehen gibt.
Das installierte ASL basiert auf dem Suse Linux Enterprise Server 9 (SLES9), wovon aber kaum etwas zu merken ist (also kein yast auf der console) und unterscheidet sich nur in der Lizensierung von der Standalone ASL-Variante.
Lizensierung
Bei der Lizensierung der ASGs geht Astaro andere Wege als bei den ASLs. Hier gibt es keinerlei Beschränkungen auf Benutzer (ausser die auf 10 Nutzer beschränkte ASG110) oder Connections und die Lizenz für die Snort-basierende Intrusion-Detection und dem HA-Module sind schon im Preis enthalten. Die Anzahl der Nutzer werden übrigends über das Zählen von IP-Adressen ermittelt.
Desweiteren gibt es noch die sogenannte Secure-Mail Option. Sie beinhaltet Antispam (Exim und Spamassassin basierend) und Antivirus (Kaspersky _und_ ClamAV) Schutz für 1 Jahr, während Secure-Web einen Content-Filter, sowie Schutz vor Viren und Spyware bietet.
Abgerundet[1] wird das ganze durch Gold- und Platinum-Maintenance, wodurch man Zugriff auf ASL-Updates, den Support via Mail und Telefon bekommt und Austauschgeräte.
Intressant ist die Lizensierung im High-Availability Bereich. Man kauft sich z.B. eine ASG220 mit Secure-Mail und Gold-Maintenance und möchte dann HA machen. Dazu kauft man die sogenannte HA-Option, die ein zweites Gerät beinhaltet und ist durch mit dem Thema. Secure-Mail und den Support braucht man _nicht_ doppelt zu lizensieren!
Web-Interface
Die Administration findet komplett über das Web-Interface statt. Zwar gibt es die Möglichkeit via SSH oder serielle Konsole direkt im Linux-System etwas zu machen, aber das ist wohl nur für Notfälle gedacht. Ich denke man verliert den Support seitens Astaro, wenn man da zuviel rumbastelt.
Wenn man so im Web-Interface rumklickt, ist es besser etwas Linux Know-how zu haben, denn viele Dinge sind 1:1 übernommen. So gibt es dort Optionen für Masquerading, S-NAT und D-NAT, die zwar im Handbuch angerissen werden, aber keine sonderliche Tiefe erfahren. So schweigt es sich z.B. aus wie man ein 1:1 NAT einrichtet. Wer soetwas schomal mit Linux gemacht hat weiss, das man zuerst die zu-nattende (was für ein Wort) IP-Adresse an das entsprechende Interface binden muss und dann jeweils einmal D-NAT und S-NAT einrichtet – ein Wizard wäre hier angebracht. Auch die Zuordnung der Themen in Menüs ist für mich nicht immer schlüßig. Warum zum Beispiel NAT im Menü Networking auftaucht und nicht beim Packetfilter ist so ein Ding. Ok, darüber kann man streiten, aber der meist nicht so bewanderte Kunde wird schon etwas suchen müssen.
Wer vorhat ein etwas umfangreicheres Paketfilter Regelwerk umzusetzen endet in einer ziemlich üblen Klickerei. Hier zeigen sich deutlich die Grenzen von Web-GUIs. Man muss nämlich zuerst Objekte (Hosts und Netzwerke) anlegen und diese dann im Regelwerk verwursten. Defaultmässig ist ersteinmal alles verboten, so das man sich auf das Erlauben von Dingen beschränken kann. Beim definieren der Regeln kann man zusätzlich noch Prioritäten (normal, low und high) für den Traffic bestimmen, nicht so wirklich die Auswahl, aber vollkommen ausreichend. Insgesamt wäre es besser, wenn Astaro zukünftig hier die Möglichkeit bieten würde Regelwerke mit dem fwbuilder zu erstellen.
Besser sieht es dann im Rest des GUIs aus, das scheinbar überbordend vor Features ist. Man kann Bandbreiten für Netzwerkarten definieren, NIC-(Provider) Failover machen, Policy-Routing, Authentisieren über LDAP, Novell eDirectory, ADS und Radius. Kann Site-to-Site VPN und Client-VPN (PPTP und L2TP) konfigurieren, es gibt Proxies für POP3, SIP, IDENT, SOCKS, HTTP, SMTP und und und.
Allein über die Funktionen und Features des SMTP- und HTTP-Proxies könnte ich jetzt noch länger weiterschreiben, aber soviel sei gesagt: Der Spamfilter verfügt nur über zwei Schwellwerte, denen man Aktionen (Quarantine, Blackhole, Reject) hinterlegen kann. Er funktioniert Out-of-the-Box sehr, sehr gut. Ähnlich sieht es beim HTTP-Proxy aus, der einen Content-Filter von Cobion integriert – viele Features und recht einfach zu konfigurieren.
HA-Failover
Das Failover ist absolut DAU sicher. Dazu wird eine HA-Netzwerkkarte, ein Passwort, eine IP-Adresse definiert und beide über ein Crossover-Kabel verbunden. Anschließend fährt die Aplliance herunter macht sich zum Master. Analog dazu erfolgt die Konfiguration der zweiten Appliance, die dann beim hochfahren merkt, das es schon einen Master gibt und in den Standby-Mode schaltet. Ab hier wird jede Konfigurationänderung, jeder Virus-Patter etc syncronisiert. Sollte der Master nun sterben übernimmt _sofort_ das Standby-Gerät. Bei mir haben hierbei SSH-Sessions überlebt – nicht schlecht für den Preis.
Getrübt wird die Sache vom LC-Display, das generell etwas mehr anzeigen könnte. Im Normalzustand kann man darüber drei Funktionen steuern: Shutdown, Reboot und Factory-Reset. Ansonsten zeigt es in Intervallen den System- und Netzwerk-Load an. Im HA-Mode funktioniert dies auch, allerdings nur für den Master, auf dem Slave-Display sieht man nichts(!) oder wenn man Pech hat die Shutdown-Meldung von Astaro. Das ist Unschön, denn so kann man nur im Web-Interface sehen ob das Gerät überhaupt noch lebt.
Fazit
Ich find die ASG-Aplliance klasse. Ok, das Web-GUI hat seine Macken, aber das Preis-Leistungs-Verhältniss ist wirklich Spitze. Wer sich selbst ein Bild machen möchte kann auf my.astaro.com ein Image für ASL beziehen und bekommt eine 30 Tage Testlizenz. Auch eine (bis auf die Virenscanner) recht komplette Home-Lizenz für 10 Rechner kann man dort bekommen.
So und wenn das jetzt mal ein Vertriebler von Astaro liest, für eine ASG110/120 würde ich noch dicker Auftragen ;)
[1] Scheiss Floskeln, aber so liest sich das irgenwie besser